Sensationeller Fund zu Mies van der Rohe im Bauhaus-Jahr

Karton enthält Bauhaus-Pläne : Sensationeller Fund

Per Zufall öffnete Stadtarchivar Dr. Christoph Moß einen wenig beachteten Karton im Magazin. Der Inhalt eine Sensation.

„Zu Beginn jeden Jahres sichte ich die noch ungeöffneten Kisten und Kartons“, berichtet Dr. Christoph Moß. Der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs will dann erkunden, welche Akten wichtig sind und als nächstes aufgearbeitet werden müssen.

Ende Februar stieß der Archivar auf einen braunen Pappkarton. Als er ihn öffnete, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen: Darin lagen 50 große Blätter mit Zeichnungen des weltberühmten Architekten Ludwig Mies van der Rohe zum Bau des Hauses Esters an der Wilhelmshofallee.

„Diese Blätter sind in der Wissenschaft völlig unbekannt“, staunte Dr. Moß.

Mehr noch: Die Zeichnungen belegen mehrere Varianten der Architektur des ehemaligen Wohnhauses, das heute als Kunstmuseum genutzt wird.

„Nach einer der Planungen sollte Haus Esters eine dritte Etage erhalten“, nennt Dr. Moß die deutlichste Abweichung vom schließlich realisierten Zustand.

Das bedeutet: das Haus Esters, ein deutschlandweit beachtetes Paradebeispiel für die Architektur des „Bauhauses“, hatte ursprünglich eine andere Form. Offenbar haben sich Architekt Mies van der Rohe und Bauherr Dr. Josef Esters, ein Mitbesitzer der Krefelder Textilfirma Verseidag, nicht sofort einigen können.

Das ist eine neue Erkenntnis. Denn die Quellenlage, wie das Haus Esters Ende der 20er Jahre geplant und konzipiert wurde, ist äußerst dürftig.

Hinzu kommt der merkwürdige Umstand, dass die unterschiedlichen Planungsvarianten vom Juli und August 1928 stammen und damit erst kurz vor Baubeginn des Hauses vorgelegt wurden. Damit ist das heutige Aussehen des Hauses Esters wohl „auf den letzten Drücker“ entstanden. Vielleicht ein Grund dafür, dass die Bauzeit bis 1931 andauerte.

Nicht nur das Haus selbst findet sich in Mies´ Zeichnungen wieder. Auch ein passendes Möbelstück im Stil der Moderne wurde von Mies entworfen. Schließlich umfasste die Kunstrichtung „Bauhaus“ neben der Architektur auch das Design von Alltagsgegenständen. Alles im Sinne klarer und funktionaler Formen, die noch heute unsere Gestaltungen prägen.

„Die Blätter sind ein Steinbruch für die Wissenschaft“, schwärmt denn auch die Krefelder Historikerin Prof. Dr. Stefanie van de Kerkhof. Und zwar für Forscher der Architektur wie des Designs.

Ein denkwürdiger Zufall, dass die Blätter gerade zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses entdeckt wurden, nachdem sie Jahrzehnte im Krefelder Liegenschaftsamt unbeachtet blieben.

Ein Großteil der architektonischen Unterlagen Mies van der Rohes, einer der zehn bedeutendsten Architekten der Welt, lagert heute im „Museum of modern Art“ in New York.

Krefeld hat nun den Vorzug, ebenfalls über wichtige Unterlagen aus dem Nachlass von Mies zu verfügen.

Dr. Moß hat die Zeichnungen im Foyer des Stadtarchivs an Girmesgath 120 ausgestellt. Wer sie sehen möchte, kann gerne vorbei kommen.

Öffnungszeiten: montags 13 - 16 Uhr; dienstags und mittwochs 8.30 -16 Uhr; donnerstags 8.30 - 17.30 Uhr, freitags 8.30 - 13 Uhr.

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