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Wie Familien mit der Krise umgehen: Schülerleben in Coronazeiten

Wie Familien mit der Krise umgehen : Schülerleben in Coronazeiten

Für Lotte (13) und Leni (12) hat Corona den Alltag schlagartig verändert: Immer zu Hause, Unterricht ohne Lehrer, Freunde-Treff nur digital. Das Familienleben wird neu strukturiert.

Von Ernst Müller

Seit Schulen und Kindergärten geschlossen haben, stehen viele Eltern vor Problemen: Die Kinder müssen nun ganztags zu Hause betreut werden. Eltern, die sowieso zu Hause sind, fällt dies leichter als Berufstätigen, die ihre Arbeitsstätte aufsuchen.

Auf Familie Herrmann in St. Tönis treffen beide Varianten zu. Mutter Steffi hat eine Halbtagsstelle und ist in dieser Zeit außer Haus. Vater Andreas kann für seine Firma auch im Homeoffice arbeiten. „Das heißt aber nicht, dass ich permanent für die Kinder verfügbar bin“, stellt der Vertriebsleiter klar, „das Arbeitspensum muss erledigt werden und die jetzt öfter anstehenden Telefonkonferenzen dauern nicht selten zwei bis drei Stunden. Da kann ich nicht einfach weggehen.“

Seit der durch Corona bedingten Schließung des Geschäftes, in dem sie arbeitet, ist nun auch Mutter Steffi zu Hause.

Dennoch  bleibt es nicht aus, dass die beiden älteren Töchter Lotte und Leni auch mal den elterlichen Auftrag erhalten, sich um die kleine Schwester Fine (4) zu kümmern,  deren Kita eigentlich um die Ecke liegt, aber ebenfalls geschlossen ist. „Wir gehen mt ihr in den Garten und spielen Ball“, erklärt Lotte gern ihre Bereitschaft. Aber natürlich: Kleine Kinder lieben schnelle Abwechselung und die beiden Teenager haben auch selbst volles Programm.

„Ihre beiden Klassenlehrer haben sich mit uns Eltern per Email und Whatsapp vernetzt“, berichtet Andreas Herrmann. Am Montag mailten sie den Schülern Lernaufgaben zu. Zunächst in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch. Die sogenannten Nebenfächer bleiben vorerst verwaist.

„Die Aufgaben erledigen wir meist am Vormittag“, erklärt Leni, „aber einen festen Stundenplan haben uns unsere Eltern nicht vorgegeben.“ Zwischendurch darf auch mal gespielt oder mit den Freunden gechattet werden. Und die kleine Fine verlangt auch immer wieder ihr Recht. „Da leidet die Lernentwicklung schon“, bedauert der Vater, obgleich er erleichtert ist, dass die Töchter die Schulaufgaben ernst nehmen und von sich aus bei der Sache beiben.

„Die Nutzung von

Internet und Handy

haben wir aktuell

freigegeben“

Bedeutsamer Einschnitt für die Kinder ist nicht zuletzt das Fehlen der Freunde. Bisher trafen sich die Teenies am Nachmittag und verbrachten ihre Zeit miteinander. „Das haben wir ihnen jetzt untersagt“, bekräftigt Andreas Herrmann. „Dafür aber haben wir die Nutzung von Internet und Handy aktuell frei gegeben“, ergänzt Steffi Herrmann, die sonst darauf achtete, dass die Töchter nicht zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Aber jetzt ist das Handy ein ideales Medium, um mit den Freundinnen in Kontakt zu bleiben. „Wir spielen gemeinsam Computerspiele“, berichtet Lotte, „oder chatten miteinander.“

Konferenz mit Kindern

Dass die anderen Eltern mit den gleichen Problemen kämpfen, das bekam Andreas Herrmann ausgerechnet bei einer beruflichen Telefonkonferenz hautnah mit: „Da hörte man im Hintergrund auf einmal Kinderstimmen. Und schnell entschuldigte sich der Kollege und klinkte sich für ein paar Minuten aus“. Da musste Herrmann denn doch schmunzeln: Ich kenne das.