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Krefeld: Rio Reiser Revival: Stehende Ovationen im Stadttheater

Krefeld : Rio Reiser Revival: Stehende Ovationen im Stadttheater

Das Stadttheater feierte die Premiere von "Rio Reiser - König von Deutschland". Selten hat das Publikum im Stadttheater derart getobt wie bei der Premiere von "Rio Reiser” am Samstagabend.

Keine zehn Sekunden vergingen, dass der Schlussapplaus in Fußgetrampel überging.

Keine Minute, bis sich die Zuschauer von den Sitzen erhoben, sodass schließlich das gesamte Haus stehend und dabei rhythmisch klatschend eine Zugabe erzwang. Die Musik ist eben doch eine Himmelmacht.

So war denn der eigentliche Star des Schauspiels die Band, die im Hintergrund auf der Bühne platziert ist. Umgeben von Anarcho-Graffitis der 60er und 70er Jahre holten die Alt-Rocker mit meist schulterlangen Haaren aus ihren Instrumenten heraus, was nur drin stecken kann. Willi Haselbek, Kim Jovy, Christoph Kammer, Jörg Kinzius und Olaf Scherf könnten problemlos jedes Rockkonzert bestreiten und den Saal zum Kochen bringen.

Unterstützt wurden die Musiker durch den Autor und Regisseur selbst: Heiner Kondschak erwies sich auch als vielseitiger Virtuose auf gleich mehreren Instrumenten sowie als gekonnter Arrangeur der alten Rio-Reiser-Titel.

Entsprechend ist das Stück "Rio Reiser” kein Schauspiel oder Musical im herkömmlichen Sinne. Eher handelt es sich um eine Abfolge von Musiknummern, die durch Spielszenen unterteilt werden.
Thema ist die Geschichte der legendären Band "Ton, Steine, Scherben”, die sich 1970 gegründet hatte und das Lebensgefühl der rebellierenden 68er-Generation mit poetischen deutschsprachigen Texten umsetzte.

Unausgesprochener Chef im radikalsozialistischen Kollektiv ist Rio Reiser. Adrian Linke spielte den Polit-Poeten mit hinreißender Authentizität. Zu sprechen hat der Schauspieler nicht viel. Der Hauptanteil seiner Rolle besteht im Singen der Titel. Das gelang Linke mit seiner rauchigen Stimme und lässigen Ausstrahlung hervorragend.

Leider hielt die Akustik im Saal nicht immer Schritt. Vielfach dröhnte die Musik überdreht laut, jedenfalls für sensible Hörer; im Gegenzug war des öfteren die Artikulation der Sänger, die eigentlich Schauspieler sind, nicht ausreichend deutlich (wie bei "richtigen” Rockkonzerten auch).

Die schwächsten Teile in der Stückkonzeption sind die erzählerischen Momente, wenn die Bandgeschichte durch Reporter erklärt wird. Denn eigentlich besteht Theater im Spielen, nicht im Erzählen. Dass es besser geht, belegt der komödiantische Auftritt eines Steuerberaters, der sich bei der Band als Manager bewirbt. Gastschauspieler Rainer Hustedt verwandelte die humoristische Einlage in ein farbiges Highlight.

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Wie denn überhaupt viel lakonischer Humor das Stück durchzieht. Aus heutiger Sicht erscheinen die überzogenen Zukunftserwartungen der Hippiegeneration, ihre politischen Illusionen, vielfach naiv und überholt. Vielleicht gerade deshalb aber wecken sie auch unsere Sehnsucht nach Romantik. Insofern ist "Rio Reiser” eine wunderbare Reise in ein antibürgerliches Märchenland.

Und die Stimmung im Parkett war sowieso märchenhaft: Nach jeder einzelnen Musiknummer gab es stürmischen Szenenapplaus.