Öffentlicher Protest gegen Gewalt in der Familie

Montag ist Start : Öffentlicher Protest in Orange

Gewalt innerhalb der Familie kommt häufiger vor, als man gemeinhin denkt. Krefeld protestiert vom morgigen Montag an zwei Wochen lang öffentlich sichtbar. Jeder kann mitmachen.

. „Es ist wohl das Gefühl von Macht“, schätzt Heike Hinsen, „Männer, die ihre Frauen schlagen, wollen zeigen, dass diese unter ihnen stehen“.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Krefeld verweist auf eine erschreckende Statistik:

669 mal im vorigen Jahr musste die Polizei in Krefeld ausrücken, um gegen häusliche Gewalt einzuschreiten. „In Deutschland stirbt alle zwei Tage eine Frau durch einen gewalttätigen Mann,“ macht Hinsen die Dimension des Problems deutlich.

Orange the world

Deshalb beteiligt sich Krefeld jetzt aktiv an der weltweiten Aktion „Orange the world“. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Frank Meyer haben das Krefelder Netzwerk gegen häusliche Gewalt, das Frauenhaus Krefeld, der Zonta-Club und der Krefelder Kinderschutzbund am 25. November eine unübersehbare Aktion geplant:

„Am 25. November werden bei Einbruch der Dunkelheit das Rathaus, die Mediothek, das Stadttheater und das Seidenweberhaus in orangener Farbe angestrahlt“, erklärt Martina Stall, Präsidentin des Krefelder Zonta-Clubs, der sich für die Selbstständigkeit von Frauen einsetzt. „Die SWK illuminieren Bäume an ihrem Sitz an der St. Töniser Straße“, ergänzt sie.

An diesem Tag werden auf der ganzen Welt Gebäude in orangenes Licht getaucht. Zeichen des Protestes gegen häusliche Gewalt und Solidarität mit den misshandelten Frauen. Stall: „Wir laden alle Krefelder ein, ihrerseits Wohnungen, Häuser und Geschäfte orange zu beleuchten“.

Die öffentlichen Gebäude bleiben bis zum 10. Dezember angeleuchtet, dem internationalen Tag der Menschenrechte, täglich von 17 bis 23 Uhr. Initiiert worden ist die weltweite Aktion von der UN-Organisation „UN women“.

Gewaltschutzgesetz

Martina Müller-West kann ein Lied davon singen, wie es in manchen Familien hinter den Kulissen zugeht. Sie leitet das Frauenhaus in Krefeld. Hierher flüchten Frauen, vielfach mit ihren Kindern, wenn sie zu Hause Gewalt ausgesetzt sind. Müller-West: „Seit 2002 ist häusliche Gewalt ein Straftatbestand.“ Nach dem „Gewaltschutzgesetz“ kann die Polizei einen gewalttätigen Mann für zehn Tage aus seiner Wohnung weisen. In dieser Zeit soll sich die Betroffene an die heimischen Beratungsstellen wenden.

Es geht aber nicht nur um körperliche Gewalt. Manche Männer setzen ihre Frauen unter seelischen Druck oder bedrohen sie, vielfach um eine Scheidung zu verhindern.

Zuweilen sind auch Männer die Opfer und ihre Ehefrauen die Täter. Aber diese Fälle sind seltener.

Falsche Hemmungen

Die Dunkelziffer ist hoch. Denn viele Betroffene melden sich nicht. „Manche Frauen glauben, sie selbst machten etwas falsch“, erklärt Martina Bergmann, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. Wieder andere halten eine „Ohrfeige“ vom Ehemann für ganz normal. „Frauen aus den oberen Gesellschaftsschichten haben häufig Scheu, Hilfe zu holen, um das Image der Familie nicht zu gefährden“, ergänzt Dietmar Siegert, Geschäftsführer des Krefelder Kinderschutzbundes.

Wirkung auf Kinder

Der Kinderschutzbund ist ebenfalls Mitglied des Netzwerkes. Denn oft sind auch die Kinder Leidtragende von häuslicher Gewalt. Sie bekommen mehr mit, als sich viele Eltern träumen lassen. Gewalterfahrungen traumatisieren die Kinder. Vielfache Folge: Sie üben später als Erwachsene selber Gewalt aus. Und die Spirale dreht sich immer weiter...

Zur Auftaktveranstaltung am morgigen Montag, 25. November, um 18 Uhr in der Mediothek sind alle Interessierten eingeladen. Es sprechen: OB Frank Meyer, Martina Stall vom Zonta-Club und Martina Müller-West vom Netzwerk. Es singt das Vokalensemble Femme Chorale der Polizei. Ausklang mit Imbiss.