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Serie: Die OB-Kandidaten: OB Meyer: „Bin nicht teflonbeschichtet“

Serie: Die OB-Kandidaten : OB Meyer: „Bin nicht teflonbeschichtet“

Kommunalwahl 2020: Der Extra-Tipp stellt die Spitzenkandidaten für das Amt des Krefelder Oberbürgermeisters vor. Treffpunkt ist der jeweilige Lieblingsort der Politiker. Heute: Frank Meyer (SPD).

Krefeld. Die „Monique“ wirkt ganz schön kräftig. Sie scheint zudem vollbeladen zu sein. Nur langsam kommt sie im funkelnden Wasser voran. Frank Meyer beobachtet aufmerksam, wie das Frachtschiff aus den Niederlanden den Strom hochfährt. Wir sind am Lieblingsort des Krefelder Oberbürgermeisters, dem Uerdinger Rheinufer. „Hier zieht es mich schon seit meiner Kindheit immer wieder hin“, sagt der SPD-Spitzenkandidat, der sich am 13. September zu Wiederwahl stellen wird. Der 46-Jährige, der nur wenige hundert Meter entfernet aufwuchs, lässt den Blick fast schon etwas wehmütig schweifen, verfolgt, wie die „Monique“ hinter der Rheinbrücke verschwindet. Der Pressetermin - bei Außentemperaturen jenseits der 30 Grad - scheint eine willkommene Abwechslung zu sein. „Ich komme viel zu selten dazu, hier einmal in Ruhe Zeit zu verbringen, mir ein Eis zu holen und einfach das Treiben auf dem Wasser zu bewundern“, sagt Meyer, ehe er kritisch anmerkt: „Aber mich ärgert es auch, dass wir in Krefeld unsere Rheinlage nicht so optimal nutzen wie andere Städte.“ Der SPD-Politiker will an der Vision einer Event- und Gastromeile entlang des Flusses festhalten.

Seit Frank Meyer im Oktober 2015 von den Bürgern seiner Heimatstadt in den Chefsessel des Krefelder Rathauses gewählt wurde, ist einiges passiert. Die Flüchtlingskrise, der Brand im Affenhaus und nun Corona - „das war und ist eine bewegte Zeit“. Und in jener hat sich der Diplom-Verwaltungswirt verändert. Der 46-Jährige, der zur Entspannung gerne liest und Musik hört, macht keinen Hehl daraus, dass ihn unfaire und persönliche Kritik immer noch trifft. „Ich bin ja schließlich nicht teflonbeschichtet.“ Auch aus Zeitgründen verzichtet Meyer mittlerweile darauf, die unzähligen Kommentare in den Sozialen Netzwerken zu verfolgen, die sich mit seiner Person beschäftigen. „Auch bei privaten Dingen bin ich zurückhaltender, überlege zweimal, ob ich auf meinem privaten Account etwas poste oder nicht“, räumt der bekennende KFC- und Liverpoolfan ein. „Wenn ich beim Fußball bin und ein Bild hochlade, dann heißt es schonmal: „Hat der sonst nichts zu tun“.“

Wir laufen den Deich entlang in Richtung Rheinbrücke. Passanten erkennen den OB, grüßen freundlich. Meyer sagt „Hallo“, wirkt aufgeschlossen. „Das ist auch etwas, dass sich seit 2015 geändert hat. In Krefeld kann ich eigentlich nirgendwo hingehen ohne erkannt zu werden. Das war vorher anders.“ Aus diesem Grund zieht er die Bretagne dem Heimaturlaub vor. Doch in diesem Jahr klappte es noch nicht mit einer mehrtägigen Auszeit. „Erst wollten wir nach Silvester weg. Dann brandte es im Zoo. Ostern kam uns Corona in die Quere. Und nun steht die Wahl an.“

Apropos Wahl: Welche drei Themenfelder will Meyer denn in seiner zweiten Amtszeit als erstes anpacken, wollen wir wissen. Und ehrlich gesagt war mit seiner ersten Antwort zu rechnen. Der Bildungssektor, dies betont der Krefelder  Verwaltungschef immer wieder, habe für ihn oberste Priorität. Das Projekt „Schule 2020“, welches dank der Fördermillionen des Landes ordentlich Fahrt aufgenommen hat, sei ein gelungenes Beispiel dafür.

Die Wahlkampagne der Sozialdemokraten ist maßgeschneidert für den Spitzenkandidaten, der bereits seit einem Jahr mit dem Hashtag #möglichmacher wirbt. Möglichst bewusst sollen den Krefeldern auch die „besonderen Ort“ sein. Als solche bezeichnet Meyer beispielsweise den Großmarkt, das Stadtbad Neusser Straße, den Biergarten im Stadtwald oder eben den Rhein. „Ich möchte, dass dieses Lebensgefühl und die positive Verbindung zur Stadt entwickelt wird.“

Kernpunkt drei, der nach der Wahl vom OB weiter vorangetrieben werden soll, ist der Klimaschutz. Dies müsse, so betont er, jedoch zwingend unter Abwägung verschiedener Themenkomplexe geschehen.

Mittlerweile hat Frank Meyer seinen Lebensmittelpunkt wieder nach Uerdingen verlagert. Nicht all zu weit entfernt von seinem Lieblingsort, an dem wir nun spazieren gehen und den er nur so selten aufsuchen kann.  „Aber wenn es nach mir geht, bleibt es so“, räumt er ein. „Denn das würde bedeuten, ich bleibe Oberbürgermeister meiner Heimatstadt.“