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Interview mit Friedrich Berlemann, Vorsitzender der Zoofreunde Krefeld: „Nur wer Tiere kennt, wird Tiere schützen“

Interview mit Friedrich Berlemann, Vorsitzender der Zoofreunde Krefeld : „Nur wer Tiere kennt, wird Tiere schützen“

Der Krefelder Zoo plant den Neubau eines Affenparks und erhält dabei viel Unterstützung aus der Bevölkerung. Auf der anderen Seite stehen aktuell lautstarke Proteste einer Tierrechts-Organisation („Liberation for Krefeld“), die den Bau verhindern möchte und mit Kundgebungen und in den sozialen Medien auf sich aufmerksam macht. Wir sprachen mit Friedrich Berlemann, 1. Vorsitzender der Zoofreunde Krefeld, über diese gegensätzlichen Auffassungen.

Welchen Rückhalt hat der Neubau des Affenparks in der Krefelder Bevölkerung?

Nach dem Brand und bis heute haben wir einen unglaublichen Zuspruch erfahren. Mehr als 25.000 Einzelspenden sind inzwischen für den Neubau eingegangen, das reicht von 2,42 Euro aus der Kinderspardose bis zur hohen vierstelligen Summe. Nicht nur aus Krefeld, sondern aus ganz Deutschland haben uns Spenden erreicht. Aber vor allem hier vor Ort ist die Loyalität zum Krefelder Zoo riesig.

Was entgegnen Sie den Aktivisten, die von einem „neuen Affengefängnis“ sprechen?

Das ist total falsch. Die modernen Gehege und gerade dieser geplante Neubau mit einer Größe von 20.000 Quadratmetern haben mit einem Gefängnis nichts zu tun. Durch die großen Freiflächen, die mit erheblichem Aufwand naturnah gestaltet werden, und durch die hervorragende Betreuung durch Tierpfleger und -ärzte geht es den Tieren besser als vielen ihrer Artgenossen in der Wildnis.

Ein weiteres Zitat der Zoogegner: „Zoos sind schon lange nicht mehr zeitgemäß und gehören gänzlich abgeschafft.“

Es ist genau andersherum: Die Aufgaben, die Zoos heutzutage im Artenschutz übernehmen, sind aktuell wie nie zuvor. In den modernen Zoos wird Grundlagenforschung betrieben und Wissen über Wildtiere gesammelt, das man auf andere Weise gar nicht bekommen kann. Beispielsweise nützt das Wissen über die Verhaltensweisen von Menschenaffen, um vor Ort mit den Tieren richtig umzugehen und ihre Lebensräume zu erhalten. Erkenntnisse über andere Wildtiere werden beispielsweise auch in den Reservaten eingesetzt, um Auswilderungen wissenschaftlich zu begleiten. Dazu kommt die pädagogische Funktion der Zoos. Nur wer Tiere kennt, wird Tiere schützen! Und nur wer über den Artenschutz und über die Zusammenhänge in der Natur Bescheid weiß, kann sich dafür einsetzen. Zoos machen diese Zusammenhänge greifbar und erlebbar. Das wurde und wird von den Zoofreunden in besonderer Weise unterstützt, zum Beispiel durch die Einrichtung des „Forscherhauses“ für Schulkinder auf dem Zoogelände. Und durch das NRW-Umweltministerium honoriert, denn Krefeld wurde als erster Zoo in NRW zum „BNE-Regionalzentrum“ ernannt. BNE steht für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Diese Auszeichnung erhalten nur Einrichtungen, die sich in besonderem Maße als Umweltbildungsstätte bewährt haben, und darauf sind wir sehr stolz.