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Neue Konzepte für Schüler in der NS-Dokustelle

Wissen über NS-Opfer in Krefeld : Neue Konzepte für Schüler

Je weiter die NS-Zeit in die Vergangenheit rückt, desto dringender stellt sich die Frage nach der passenden Vermittlung für Jugendliche. Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokustelle Villa Merländer, hat jetzt ein innovatives Lehrkonzept vorgelegt. Start ist Ende Oktober.

„Die persönliche Geschichte von Betroffenen eröffnet den Jugendlichen einen viel anschaulicheren Zugang ins Thema“, erklärt Franziska Penski, Mitarbeiterin in der Bildungsarbeit der Krefelder NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer.

Deshalb hat die Krefelder Historikerin Sabine Reimann konkreten Bürgern und Familien aus der Seidenstadt nach gespürt, die im NS-Unrechtsstaat verfolgt oder sogar ermordet wurden. Ihre Schicksale verarbeitet sie in Materialien, mit deren Hilfe sie Unterrichtseinheiten für Schüler vorbereitet. Dabei stehen die Schicksale der historischen Personen für unterschiedliche Opfergruppen.

„Unser Ziel ist es, einzelne Workshops für alle Opfergruppen zu entwickeln“, gibt Sandra Franz die Richtung vor. Die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle an der Friedrich-Ebert-Straße bedauert, dass in der Öffentlichkeit bestimmte Opfergruppen weniger wahrgenommen würden als andere. Dazu gehören Sinti und Roma ebenso wie Homosexuelle, christliche Zeugen Jehovas oder auch sogenannte „Asoziale“, wie der NS-Staat bestimmte Menschengruppen diffamierend bezeichnete.

Drei der neuen Schülerworkshops sind soweit fertig konzipiert. Dies sind Workshops zu den Themen Sinti und Roma, Homosexuelle und Jüdische Familien.

„Diese Workshops können Schulklassen und Jugendgruppen vom 28. Oktober an buchen“, ermuntert Sandra Franz Pädagogen, Lehrer und Jugendleiter zur Teilnahme. Die Buchung ist kostenlos („Wir freuen uns aber über eine Spende“, sagt Sandra Franz).

Der Unterricht, der einen Vormittag oder einen Nachmittag dauern kann, findet entweder in der Villa Meerländer selbst statt oder die Mitarbeiter kommen in die Schulen bzw. Freizeitheime. Sie teilen dann die Klasse bzw. Gruppe in Untergruppen auf, sodass mehrere Themenblöcke behandelt werden können.

Sabine Reimann und Sandra Franz bereiten künftig weitere Workshopthemen vor, um schließlich Unterrichtseinheiten für sämtliche Opfergruppen des NS-Regimes anbieten zu können.

Übrigens gibt es neben einer Führung durch die Dauerausstellung in der Villa Merländer bisher schon eine Reihe spezieller Themenworkshops für Schüler. Diese werden - wie auch die neuen - der jeweiligen Altersklasse angepasst.