1. Die Stadt

Musik: Von der Lochkarte bis zur Cloud

Ausstellung zur Musik im Jagdschloss : Sound of Krefeld

200 Jahre Krefelder Musikgeschichte sind Thema einer interaktiven Ausstellung im Jagdschloss an Burg Linn. Schwerpunkt: Die Digitalisierung von der Lochkarte über die Juke-Box bis zum Internet.

Jennifer Morscheiser hat ihre alte Stereoanlage aus Kindertagen entstaubt. „Die stand nur noch ungenutzt herum“, lacht die Direktorin des Museums Burg Linn. Nun aber hat das Prachtstück aus den 70er Jahren eine Verwendung gefunden. Zusammen mit einem nostalgischen Plattenspieler bildet sie einen kleinen Musikturm im Saal des Jagdschlosses.

„Die Besucher dürfen die Anlage gern benutzen“, ermuntert Dr. Morscheiser. Platten und Kassetten liegen bei. Sogar zwei Sessel stehen bereit, um die Musik auch wohlig genießen zu können.

Diese Installation ist nur ein Baustein der neuen, interaktiven Ausstellung. Sie führt durch 200 Jahre Krefelder Musikgeschichte.

Schwerpunkt dabei ist das Thema Digitalisierung. Diese nämlich begann in Krefeld früh. Die Webstühle der Seidenbarone wurden im 19. Jahrhundert auf Lochkarten umgestellt. Die Lochkarten funktionierten nach dem binären 0-1-System, ebenso wie unsere moderne Digitaltechnik. Bald schon funktionierten auch Musikinstrumente mit Lochkarten. Das mechanische Instrument, das keinen Musiker zur Bedienung mehr brauchte, war geboren.

Mechanische Musikinstrumente machen seit jeher einen Teil der Sammlung im Jagdschloss aus. Jetzt aber sind sämtliche Zimmer des biedermeierlichen Wohnhauses von Wohltäterin Marianne Rhodius mit Zeugnissen aus der musikalischen Welt bereichert.„Es ist die erste Umgestaltung des Jagdschlosses seit den 80er Jahren“, unterstreicht Dr. Morscheiser.

„Von der Lochkarte in die Cloud“ heißt die Ausstellung, die nicht nur die Entwicklung der Musik und ihrer Instrumente nachvollzieht, sondern sie auch mit den musealen Einrichtungen des ehemaligen Wohnhauses abstimmt.

So erfährt der Besucher, welch musikalische Hochkaräter in Krefeld Station gemacht haben: Johannes Brahms widmete eine berühmte Partitur „den Freunden in Crefeld“. Gustav Mahler dirigierte hier die Uraufführung seiner 3. Sinfonie und beschwerte sich später über seine Unterkunft. Aber auch die Krefelder Pop- und Rockszene der 60er Jahre bis zur Gegenwart findet im Jagdschloss ihren Platz.

Plakate, historische Fotos, Musik- und Abspielgeräte von der guten alten „Juke-Box“ bis zum internetfähigen Kopfhörer werden ausgestellt.

Den leichten Zugang zu allen Infos finden die Besucher mittels der ausgelegten „space books.“ Sie sehen aus wie großformatige Bücher, doch sorgt eine Computeranimation dafür, dass die bildlichen und textlichen Inhalte „lebendig“ werden.

Florian Pfahl und Andreas Kalinka haben diese visuellen Wunderwerke geschaffen. Die beiden Designer studierten an der Hochschule Niederrhein und haben in Krefeld ihre Firma „Space interactive“ gegründet.

Die Ausstellung öffnet am Sonntag, 1. September, und bleibt bis 17. Mai 2020 bestehen.

Das Jagdschloss ist täglich (außer montags) von 10 - 18 Uhr geöffnet. Eintritt für Familien (inkl. Burg): zwischen 8 und 13 Euro.