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Krefeld: Museologe im Lockdown

Krefeld : Museologe im Lockdown

Was macht ein Museologe im Lockdown? Er zeichnet Ritter in der Unterwäsche und denkt sich Brettspiele aus.

Matthias Ackermann hat in Leipzig Museologie studiert. „Ich interessiere mich für die Geschichten, die hinter den alten Gegenständen stecken“, erklärt der gebürtige Saarländer seine ungewöhnliche Studienwahl.

Seit nunmehr einem Jahr arbeitet Ackermann als Museumspädagoge im Museum Burg Linn in Krefeld. Eigentlich müsste er u.a. Führungen und Workshops planen. Wie man das fachgerecht und aufregend gestaltet, hat er im Studium eigens gelernt. Doch dazu hatte der Neu-Krefelder bisher kaum Gelegenheit. Mussten die Museen in der Corona-Pandemie doch schließen.

Da kommt dem Museumskundler sein Zeichentalent wie gerufen. Mit der Kamera lässt er aufnehmen, wie er aus einfachen Kreisen nach und nach eine lebensechte Menschengestalt aufs Papier zaubert. „Das kann jedes Kind leicht nachzeichnen“, ist er sich sicher. 

Und da der Zeichner nunmal leidenschaftlicher Museologe ist, zeichnet er nicht irgendeine Gestalt, sondern den Ahnherrn der Burg Linn, den Ritter Otto.

Als Folge 1 steht das Video nun im „Kreativraum 2 der Stadt Krefeld“ im Internet, abrufbar über https://www.krefeld.de/de/inhalt/kreativraum-wird-im-internet-wieder-geoeffnet/. 

„In der Folge 1 habe ich Otto die historisch korrekte Unterbekleidung angelegt“, erklärt Ackermann, „in der Folge 2 bekommt er seine Ritterrüstung“. Auch diese Folge ist inzwischen online eingestellt. Schon über 230 Aufrufe zählt die erste Folge, die zweite über 180.

 Während Kinder und Erwachsene „ihren“ Otto nachzeichnen, arbeiten Matthias Ackermann und seine Kollegin Larissa Konze schon an einem neuen Projekt: sie denken sich ein Brettspiel aus. Unterhaltsam soll es sein. „Aber auch lehrreich“, fügt Ackermann hinzu. 

Als Grundlage zeichnet er den Grundriss der Burg Linn. „Diesen kann man aus dem Internet ausdrucken und auf Pappe kleben“, regt Ackermann an, „Kinder können ihn auch gern bunt ausmalen.“ 

Und schon gehts los. Man würfelt und bewegt seine Püppchen auf Aktionsfelder, die zu bestimmten Aufgaben aufrufen. Alles steht in Zusammenhang mit der Geschichte der mittelalterlichen Burg. Den Museumspädagogen schweben verschiedene Szenarien vor: junger Knappe auf der Burg oder auch Verteidigung der Burg bei Belagerung. „Das Spiel ist für Erwachsene und Kinder geeignet, für die ganze Familie“.

Die Spieleerfinder hoffen auf reichlich Downloads. Irgendwann in den nächsten Tagen soll das Spiel „online gehen“. Damit lässt sich die Zeit häuslicher Quarantäne sinnvoll kürzen. Und der Museologe kommt doch noch an sein Publikum.