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Wie Familien mit der Coronakrise umgehen: „Machen es uns so schön wie möglich“

Wie Familien mit der Coronakrise umgehen : „Machen es uns so schön wie möglich“

Vor gut fünf Wochen berichtete der Extra-Tipp darüber, wie die Familie Herrmann ihr Leben während der Coronakrise meistert. Was seitdem alles passiert ist? Wir sprachen erneut mit den Fünf aus St. Tönis.

  „Hallo, hier ist Fine“, ruft der jüngste Spross der Familie während des Video-Anrufs breit grinsend in die Kamera, um hastig und sichtlich stolz hinzuzufügen:  „Ich kann jetzt schon alleine Fahrrad fahren.“ Die Vierjährige hat die  vergangenen Wochen, in denen sie mit ihren Eltern und den beiden Schwestern zwangsweise die meiste Zeit zuhause verbrachte, genutzt, um fleißig zu üben. „Ohne Corona hätte es so schnell wohl nicht funktioniert“, sagt Mama Steffi rundum zufrieden, blickt in Richtung ihrer kleinen Tochter und berichtet wohlwollend, aber auch amüsiert: „Fine hat das Prinzip übrigens total verinnerlicht. Sobald sie Freunde oder Familie sieht, sagt sie, „Kommt nicht so nah - wegen Corona.“

Vor nunmehr gut sechs Wochen sprach der Extra-Tipp zum ersten Mal mit den Herrmanns aus St. Tönis. Seitdem hat sich eine gewisse „Corona-Routine“ etabliert. Die Tagsabläufe sind durchgetaktet. „Sonntags bekommen wir immer einen Wochenplan der Schule. Jeden Tag vormittags machen die Kinder die Aufgaben, nachmittags dürfen sie dann die freie Zeit nutzen, wie sie wollen“, erläutert Steffi. Die 13-jährige Lotte und ihre ein Jahr jüngere Schwester Leni gehen dann joggen, fahren mit den Inline-Skates oder dem Rad. Neuerdings dann auch mit Fine.

Die meiste Zeit verbringt die Familie jedoch im heimischen Garten. „Wir sind so glücklich , dass wir den haben“, sagen sie nahezu unisono. Steffi ergänzt: „Wir machen es uns so schön wie eben möglich.“

Während Vater Andreas seinen Job als Vertriebsleiter ohnehin meist vom Homeoffice aus meistert, geht seine Frau nun wieder zweimal pro Woche „außerhäusig“ in einem kleinen Geschäft im Ort arbeiten. „So gerne ich bei meiner Familie bin, so gut tut es aber auch, die sozialen Kontakte wieder pflegen zu können“, räumt sie ein.

Apropos soziale Kontakte: Voller  Vorfreude blickten die Herrmanns auf Pfingsten. Dann sollte das Schützenfest der Hoteser St. Sebastianus Schützenbruderschaft stattfinden. Vater Andreas sollte König Peter als Minister zur Seite stehen. Daraus wird nun aber nichts. Corona will es so. „Wir haben die Veranstaltung nun auf das kommende Jahr verschoben“, berichtet Andreas, der am Montag seinen 39. Geburtstag wegen der derzeit geltenden Regelungen nur im kleinen Kreis feiern konnte. Etwas Hoffnung haben er und seine Familie noch mit Blick auf den Sommerurlaub. In den Ferien wollen sie traditionell nach Österreich aufbrechen. Ob die St. Töniser bis dahin wieder reisen dürfen, ist offen. „Wir würden uns sehr freuen, müssen es aber nehmen, wie es kommt“; sagen sie. Im Zweifel haben sie ja ihren Garten: „Bei uns am Niederrhein ist es ja auch wirklich schön“, sagt Mama Steffi augenzwinkernd zum Abschluss.