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Stadtarchiv digitalisiert seine Bestände an alten Zeitungen: "Lehrer sollen nicht unter Armut seufzen"

Stadtarchiv digitalisiert seine Bestände an alten Zeitungen : "Lehrer sollen nicht unter Armut seufzen"

Die Zeitung ist heute ein Kulturgut. Die Krefelder Ursprünge reichen bis 1799 zurück.


"Wollen wir gute Schulen, so muß das Gehalt der Schullehrer erhöht und für ein anständiges Schullocal gesorgt werden". So lautet die Forderung des "Krefelder Wochenblatt" am 8. Januar 1807.


Ist schon eine Weile her, klingt aber doch recht aktuell. Jedenfalls der zweite Teil, wenn man sich die renovierungsbedürftigen Schulen unserer Tage anschaut.


Solche Schätzchen über das "alte Krefeld" finden sich zuhauf im hiesigen Stadtarchiv. Hält Archivar Dr. Olaf Richter doch sogar die erste Zeitung in Händen, die überhaupt je in der Seidenstadt erschien:

Sie startete am 1. Januar 1799 und trug den Namen "Iris vom Niederrheine". Ihr Umfang betrug nur wenige Seiten und ihr Inhalt war anrüchig. Jedenfalls aus Sicht der Krefelder Bürger. Denn sie war von den französischen Besatzern ins Leben gerufen worden und vertrat politisch die Interessen Frankreichs. Seit 1792 stand Krefeld unter der Herrschaft der französischen Invasoren. Entsprechend lautet die Datumsangabe der ersten Krefelder Zeitung auch "im 7. Jahr der Französischen Republik."


Schon in den ersten Wochen ihres Erscheinens litt die Zeitung an Nachrichtenmangel. Denn der Rhein war zugefroren, sodass kein Schiff die neusten Nachrichten zur Redaktion befördern konnte. Eine peinliche Situation, die heute wohl vergleichbar mit einem Stromausfall wäre.


Offenbar lag auch manch anderes im Argen, denn schon im Jahr 1800 stellte das Blatt sein Erscheinen ein.


Mehr Anklang bei der Bevölkerung fand dann das "Krefelder Wochenblatt". Und zwar mit einem Konzept, das auch heute noch die Basis der Krefelder Zeitungen bildet: Das "Wochenblatt" druckte lokale Nachrichten aus der Stadt. Außerdem schrieben die Krefelder Leser ihre Meinung, die in Leserbriefen veröffentlicht wurden. Gemeinsam mit der Redaktion schafften es die Leser immerhin, das Armenhaus in Krefeld zu erhalten, das in seiner Existenz offenbar bedroht war. Auch scheute sich das Lokalblatt nicht, heiße Eisen anzupacken; etwa den schlechten Zustand des Krefelder Gefängnisses oder eben das kritikwürdige Schulwesen. Heißt es darin doch über die Lebenssituation der Lehrer:
"Was kann man gerechter Weise von einem Schullehrer erwarten, der unter dem Druck der Armuth seufzt, und sich zum Dorfbarbierer herabwürdigen muß, um sein kümmerliches Leben zu fristen"?

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Dr. Olaf Richter und sein Team wollen nun die alten Zeitungsbestände im Archiv digitalisieren. In einem Jahr wollen sie die Bestände bis 1850 geschafft haben. Natürlich kann jeder interessierte Bürger die alten Zeitungen, die zu dicken Mappen zusammengebunden sind, auch vor Ort einsehen. Nach der Digitalisierung aber werden sie auch am Bildschirm abrufbar sein.