: Kritik an Neubau hallt bis München

: Kritik an Neubau hallt bis München

Oberbürgermeister Frank Meyer stellt auf der EXPO Real in München die Pläne für einen neuen Verwaltungsstandort vor. Zeitgleich kritisieren Experten die Entscheidung.

„100 Jahre Bauhaus“ und die Konzeption eines neuen Verwaltungsgebäudes in der Innenstadt waren die beiden Kernthemen, mit denen sich die Stadt Krefeld jetzt bei der weltweit größten Immobilienmesse EXPO Real in München vorstellte.

Eingerahmt von den anderen Bürgermeistern und Landräten der Region stellte Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer am Montagvormittag bei der weltweit größten und bedeutendsten Immobilienmesse EXPO REAL in München auf der Bühne des Niederrhein-Stands die wichtigsten Themen aus der Seidenstadt vor. Zum einen ist dies das große Jubiläum von „Bauhaus“, das in diesem Jahr auf eine hundertjährige Geschichte zurückblickt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte das Bauhaus-Jubiläumsjahr in Berlin offiziell eröffnet, zwei Wochen später war er persönlich zu Gast in Krefeld. Vielen sei nicht bekannt, dass Krefeld über herausragende Bauhaus-Architektur verfüge, sagte der Bundespräsident damals zum Grund seines Besuchs und ließ sich dabei u.a. die Villen Haus Lange und Haus Esters des Architekten Mies van der Rohe, dritter und letzter Direktor der Schule, zeigen. Insgesamt waren es rund 25 „Bauhäusler“, die in Krefeld als Designer und Architekten seit 1927 eine Anstellung gefunden oder Aufträge erhalten hatten. „Krefeld ist die Bauhaus-Stadt in Nordrhein-Westfalen. Keine andere Stadt in unserer Region ist historisch so eng mit dem Bauhaus verknüpft“, betonte Frank Meyer in München. „Zum Bauhaus-Jubiläum wollen wir Wege aufzeigen, dieses Kapitel rheinischer Kultur- und Industriegeschichte mit Visionen für die Zukunft zu verknüpfen.“

Eine Vision für die mittelfristige Zukunft ist der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes für bis zu 500 Mitarbeiter im Herzen der Stadt. „Für die künftige Stadtentwicklung ist der Verwaltungsneubau von großer Bedeutung. Er soll die City auch visuell prägen“, betonte der Oberbürgermeister. Zur Erinnerung: Ende November hatte der Krefelder Stadtrat mit breiter Mehrheit die Neuplanung für das Areal mit Seidenweberhaus und Theaterplatz verabschiedet und sich damit von den ursprünglichen Sanierungsplänen des Stadthauses verabschiedet. Das Stadthaus wurde Mitte der 50er Jahre als Verwaltungssitz der Verseidag nach einem Entwurf von „Bauhäusler“ Egon Eiermann, der als bedeutender Architekt der Moderne gilt, erbaut. 1982 baute es die Stadt Krefeld in ein Technisches Rathaus um. Rund 30 Jahre später sollten die notwendige Instandsetzung erst 63, später 80 und schließlich rund 100 Millionen Euro kosten – zu viel für die Kommune, die gemäß des politischen Willens nun besser in einen modernen Neubau investieren soll. Kritik an dieser Entscheidung übte in dieser Woche das Fachorgan „Deutsche Bauzeitung“, Deutschlands älteste Fachzeitschrift für Architekten und Bauingenieure. Das Magazin spricht in Bezug auf die geplatzte Sanierung von einer „kultur- und finanzpolitischen Farce“. Es bezweifelt, dass der Neubau günstiger als eine Instandsetzung sei. Die bislang angefallenen Kosten, etwa für die Erstellung eines Sanierungskonzepts, Ausschreibungen und die Anmietung von adäquaten Ersatzräumen auf bisher unbestimmte Zeit seien bereits jetzt enorm. „Die Stadt kann nur hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, nachzurechnen“, kommentiert die „Deutsche Bauzeitung“.