1. Die Stadt

"Kriminelle nutzen Deine E-mail-Adresse"

Schock am Nachmittag : „Kriminelle nutzen Deine E-mail-Adresse“

Immer wieder hört und liest man von Hackerangriffen auf private PCs. Wie das ablaufen kann, schildert jetzt ein Betroffener aus Krefeld dem Extra-Tipp:

Herr A. (Name der Redaktion bekannt) hatte sich nach dem Mittagessen etwas hingelegt, als plötzlich zu ungewohnter Zeit das Telefon klingelte.

Am Apparat war ein guter Freund des Krefelder Pensionärs. „Da benutzen Kriminelle deine E-mail-Adresse“, überraschte der Freund das bestürzte Opfer. 

Kurz zuvor hatte der Anrufer eine Nachricht in seiner Mailbox gefunden. Absender: Herr A. - angeblich. Inhalt: A. befände sich auf einer Reise in Donezk in der Ukraine und habe Geldbörse und Handy verloren. Nun müsse er Hotel und Rückflug bezahlen. Ob der Freund so freundlich wäre, ihm 950 Euro zu schicken. 

„Ich habe gleich gesehen, dass das fake ist“, sagte der Freund am Telefon. Denn solche Mails würde A. niemals schreiben. Alarmierend aber war, dass sowohl die Adresse der Absender-Mail stimmte wie auch die des Empfängers. Zudem hatte der Schreiber vertraulich mit A.s Vornamen unterzeichnet.

Noch bevor sich der verstörte Herr A. weitere Gedanken machen konnte, klingelte das Telefon wieder. Und wieder. Und wieder. „Den ganzen Tag über meldeten sich Bekannte bei mir, die die gleiche falsche Mail bekommen hatten“. Zeitweise fiel das Telefon wegen Überlastung aus. 

Herr A. wandte sich an die Polizei und seinen Internetanbieter. Dieser sperrte sofort alle Passwörter und sensiblen Datenverbindungen auf seinem PC. Eine Überprüfung weiterer Internetverbindungen, wie zur Hausbank, ergab, dass keine weiteren Manipulationen stattgefunden hatten.

Ein Nachbar von Herrn A., der in Sachen Internet versiert ist, konnte inzwischen die gefälschte Absender-Adresse zurückverfolgen: nach Nigeria in Afrika. Dort scheinen die Hacker zu sitzen.

Rund 200 Adressen weist die Mail-Box von Herrn A. auf. Fast alle Korrespondenzpartner erhielten die Bettel-Mail. Als die Kriminellen einmal Zugang zur Mailbox gefunden hatten, war es ihnen ein Leichtes, die Adressen und Namen der Korrespondenzpartner von A. zu ermitteln.

„Aber wirkliche Profis können die Hacker nicht sein“, schätzt Herr A. Denn in den Bettel-Mails fehlt eine Angabe, wohin das Geld überhaupt geschickt werden soll. Überdies fehlt jeweils eine Anredeformel, die ein einheimischer Briefeschreiber nie vergessen würde. „Es wird vor allem darum gegangen sein, weitere Mail-Adressen zu fischen“, vermutet der Krefelder.

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Ursache des ganzen Dilemmas könnte eine Unüberlegtheit von Herrn A. selbst sein, wie er selbstkritisch einräumt: „Ich habe einmal eine Aufforderung meines Providers erhalten, meine E-mail-Adresse mit den Passwörtern neu einzugeben“. Das hat er getan und das war falsch. Die Aufforderung kam nicht vom Provider, sondern aus Nigeria. „Aber das Anschreiben mit dem richtigen Logo im Kopf und den vertrauten Schriftzügen sah absolut echt aus“, erinnert sich der Betrogene.

Nun hat er alle Passwörter erneuert und seinen PC mittels eines speziellen Programms auf Viren und andere Spionagetrojaner abgesucht. „Das hat neun Stunden gedauert“, stöhnt A. Der PC ist clean. Aber der Schrecken sitzt dem Krefelder noch in den Knochen.