1. Die Stadt

Bevölkerung im 19. Jahrhundert explodierte: Krefelds rasanter Aufstieg

Bevölkerung im 19. Jahrhundert explodierte : Krefelds rasanter Aufstieg

Ein junger Doktorand untersucht die Veränderungen im sozialen Leben des alten Krefeld.

Die Seidenstadt hat einen rasanten Aufstieg hinter sich: "Im 17. Jahrhundert hatte Krefeld noch den Charakter eines Dorfes", blickt Stadtarchivar Dr. Olaf Richter in die Geschichte zurück.


Das blieb lange Zeit so, bis die Seidenbarone hier ihre Imperien gründeten. "Im 19. Jahrhundert war Krefeld dann die reichste Stadt Preußens". Entsprechen wuchs die Bevölkerung. "1815 hatte Krefeld noch 15.000 Einwohner", erklärt Dr. Richter, "1887 zählten wir 100.000."

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Der Göttinger Professor Peter Kriadtke hatte schon vor Jahren die Veränderungen der Krefelder Bevölkerung im 18. Jahrhundert erforscht. Die Ergebnisse sind in zwei dicken Büchern festgehalten.


Doch für das 19. Jahrhundert, als die Bevölkerung so rapide wuchs, liegen keine Forschungen vor. Diese Aufgabe unternimmt nun der Bochumer Doktorand Tristan Pfeil:
"Ich werte Melderegister, Adressbücher und Steuerlisten aus", erklärt der Historiker seine Arbeitsweise. Seine vorläufige These: "Es hat im Krefelder Stadtgebiet eine gewisse Einteilung in Milieus gegeben". Bedingung dafür war die aufkommende Industrie. Sie schuf ein breites Heer von Arbeitern. Aber auch Wohnviertel, die durch Wohlstand und Reichtum gekennzeichnet waren, nahmen in dieser Zeit zu.


Besonders interessant sind die konfessionellen Auswirkungen: "Die katholische Zentrumspartei konnte viele protestantische Wähler gewinnen, weil sie eine soziale Politik betrieb", deutet Pfeil die Wahlergebnisse.


Leider sind viele Aufzeichnungen über die Bevölkerungsentwicklung nur lückenhaft überliefert. "Ich suche noch historische Unterlagen von Firmen, wie zum Beispiel Lohnlisten".


Eineinhalb Jahre hat Pfeil Zeit, die Dokumente im Stadtarchiv auszuwerten. So lange währt die Förderung des Projektes durch den Landschaftsverband Rheinland und die Stadt Krefeld.


Den Antrag zur Förderung des Forschungsprojektes stellte Dr. Richter. Der Landschaftsverband gibt 50.000 Euro, die Stadt 20.000.


Auch den Kontakt zu Tristan Pfeil stellte Dr. Richter her. Pfeil hatte sich schon bei Forschungen in seiner Heimatstadt Bochum bewährt und schreibt über ein ähnliches Thema derzeit seine Doktorarbeit. Sein Berufsziel: Archivar. Da trifft es sich gut, nun in einem Archiv zu arbeiten.