Krefelder Marionettentheater Pappköpp besteht 40 Jahre

40 Jahre Pappköpp : Matthes verliert seine Quäkstimme

Das Marionettentheater Pappköpp feiert sein 40-jähriges Bestehen. Zugleich verabschiedet sich eine lebende Legende aus dem Ensemble: Mitbegründer Manfred Coelen.

„Matthes weiß alles, hat aber von nichts eine Ahnung“, lacht Manfred Coelen.

40 Jahre lang hat der heute 80-jährige der Kultfigur aus dem Krefelder Marionettentheater „Pappköpp“ seine Stimme verliehen. Nicht seine eigentliche, sondern die bewusst verstellte „Quäkstimme“, die das Krieewelsch Platt, in dem Matthes zu sprechen pflegt, besonders komisch erklingen lässt. Damit ist Manfred Coelen, der auch die Texte beisteuert, selbst zum Kult in der Krefelder Mundartszene geworden.

Umso schmerzlicher ereilt das treue Publikum nun der Abschied. „Ich habe immer gesagt, mit 80 stelle ich mich nicht mehr auf die Bühne“, erklärt Coelen seinen freiwilligen Verzicht. Diese Woche ist er 80 geworden.

Coelen gehört zur Gründergeneration des aktuell 16- köpfigen Ensembles. Ein Freundeskreis aus Jazz-Fans, der sich 1978 im Jazzkeller traf, beschloss, Marionettentheater in Krefelder Platt zu machen. Anreger war ein tschechisches Marionettenspiel mit entsprechend tschechischem Akzent, das damals in Krefeld gastierte.

Die engagierten Freunde machten alles selbst: die Puppen, die Technik, die Kulissen, die Texte. Der erste Auftritt im Jazzkeller am 8. Juni 1979 wurde ein Riesenerfolg. Das beflügelte.

Heute spielen die „Pappköpp“ gut 25 mal im Jahr. Sie sind längst eine Krefelder Institution. Einige Ensemblemitglieder sind bereits verstorben oder schieden aus, neue Kräfte stießen hinzu. Geblieben ist der Ehrgeiz, alles selber zu machen.

Seit 2004 residiert das Marionettentheater in einem eigenen Haus auf dem Gelände des Kindergartens an der Peter-Lauten-Straße 62. „Oberbürgermeister Dieter Pützhofen hat uns damals dazu verholfen, als wir eine Spielstätte suchten“, erinnert Manfred Coelen dankbar. Zwei Jahre durften die Pappköpp mietfrei bleiben, haben dafür aber die gesamte Renovierung und Ausstattung selbst übernommen.

Heute ist die ehemalige Schulturnhalle Bühne und Schankraum in einem, in dem die Theaterbesucher an Tischen auch bewirtet werden.

Manfred Coelen verbindet mit diesem Raum noch spezielle Erinnerungen: „Das Gebäude war früher eine Kirche, in der ich als Kind noch Messdiener war.“

Die Familie Coelen wohnte schräg gegenüber und die heutige Kita war damals Volksschule, die der kleine Manfred besuchte. Noch heute deutet der Jubilar präzise auf das Fenster, hinter dem sein ehemaliges Klassenzimmer lag. Zu Hause wurde übrigens nur Hochdeutsch gesprochen. „Wir Kinder untereinander sprachen Platt“, lacht Coelen. Die Freude daran ist bis heute geblieben.

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