1. Die Stadt

Krefelder Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft

Digitale Gedenkveranstaltung : Empörung über falsche Vergleiche

Das Krefelder Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wurde Corona-bedingt digital ausgerichtet. Die klaren Worte schwächte die ungewohnte Form nicht ab.

„Es ist Tradition in Krefeld, dass jedes Jahr eine andere Schule den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus ausrichtet“, ruft Oberbürgermeister Frank Meyer in Erinnerung. Diesmal hat das Hannah-Arendt-Gymnasium die Gestaltung übernommen. Allerdings unter erschwerten Bedingungen. Denn wegen der Corona-Pandemie konnte am heutigen 27. Januar, dem Gedenktag an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, kein Gedenkakt in der Schule abgehalten werden. Also haben sich Schule und Stadt entschlossen, Ansprachen und Statements auf Video zu bannen und den Film auf dem youtube-Krefeld-Kanal ins Internet zu stellen. 

Meyer spricht darauf die einleitenden Worte. Es gehe um die Würde der Opfer und die Mahnung an die Menschen heute: „Aufmerksam sein, wenn Menschen diskriminiert werden.“  Meyer mit Blick auf die Shoah: „Wir wissen, wo es endet.“

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So wendet sich Sandra Franz voller Abscheu gegen aktuelle Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen, die sich mit Widerständlern oder Opfern der NS-Herrschaft vergleichen: „Die Vergleiche sind nicht nur lächerlich und unangebracht, sie sind widerwärtig“, schimpft die Leiterin der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer. Offenbar hätten die Sprecher solcher Vergleiche nicht verstanden, was eine Diktatur sei.

Um dies nochmal eindringlich vor Augen zu führen, berichtet der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Michael Gilad über die Leidensgeschichte seiner Eltern. Beide wurden von den Nazis in Konzentrationslager verschleppt. Ihre Erzählungen haben den  nachgeborenen Sohn psychisch geprägt: „Ich habe diese Zeit miterlebt“ - obgleich er erst nach dem Krieg geboren wurde.

„Wir haben uns im Religionskurs mit Rassismus auseinandergesetzt“, leitet ein Schüler das Engagement der jungen Generation ein. Zu ihrem Leitmotiv wurde ein Bibelwort, das der Philosoph Martin Buber folgendermaßen übersetzte: „Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du.“ Aufgrund dieser Gegenposition zu jeder Art von Menschenverachtung haben die Jugendlichen Stolpersteine aufgesucht, die in der Nähe ihrer beiden Schulstandorte an Dionysius- und Lindenstraße verlegt worden sind und haben sich mit der jeweiligen Geschichte der dort vermerkten Opfer beschäftigt. Im Video tragen sie die Familiengeschichten vor. Ihr Fazit: „Eine Mahnung, den anderen als Nächsten zu sehen.“