1. Die Stadt

Kirche in Krefeld vor Veränderungen

Kirche in Krefeld : Die Krise als Chance

Die katholische Kirche steht auch in Krefeld vor Veränderungen. Ein „Regionalteam“ nimmt die Herausforderung aktiv an. Und entdeckt im Wandel neue Möglichkeiten.

„Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Kirche zu gestalten. Die sollten wir nutzen“, sieht Pfarrer und Krefelds Regionalvikar Dr. Thorsten Obst in der Krise auch eine Chance.

Die Krise der Kirchenstruktur ist offenkundig: Austritte, weniger Taufen, spärlich besuchte Gottesdienste, Priestermangel, entweihte und verkaufte Kirchengebäude, künftig absehbare Ebbe in den Finanzen.

Die Chancen eröffnen sich aber auch: Engagierte Gemeindemitglieder erhalten Lenkungsfunktionen, verwalten ihre Gemeinden selbst, die Gottesdienstorte dezentralisieren sich in Schulen und Kitas, die Hierarchien nehmen ab.

Der Bischof von Aachen, Dr. Helmut Dieser, hat vor zwei Jahren einen breiten Diskussionsprozess zur zukünftigen Aufstellung der Kirche angestoßen. Zusammen mit seinen Weihbischöfen besuchte er auf Einladung Versammlungen „einfacher“ Gläubiger sowie Familien und Jugendgruppen in deren privaten Räumen. Jeder sollte offen seine Meinung sagen.

In den Großstädten und Regionen installierte er sogenannte Regionalteams, die die Diskussionen innerhalb der Gemeinden weiterhin begleiten. In Krefeld bilden das Team: Pfarrer Obst, der Vorsitzende des Katholikenrats Hans-Joachim Hofer und die Pastoralreferentin Elisabeth Vratz.

„Auch die Apostel Paulus und Petrus haben um den richtigen Weg heftig gestritten“, ermuntert Elisabeth Vratz zu kontroversen Gesprächen. Solche werden meist von zwei Fraktionen geführt: den Traditionalisten, die bewährte Strukturen erhalten möchten und Reformern, die neue Wege einschlagen wollen.

Das Team der Region Krefeld steht erkennbar auf Seiten der Reformer. „Wir sind in der Existenz gefährdet, wenn keine Veränderungen passieren“, prognostiziert Dr. Obst, „auch die Bevölkerung macht Stillstand nicht mit.“

So wenden die ersten Krefelder Gemeinden bereits Modelle der Selbstverwaltung ohne Priester als „Chef“ an. Gottesdienste werden nicht nur sonntags in der Kirche, sondern auch in Schulen und Krankenhäusern gefeiert. Je nach Bedarf der Gläubigen. „Katholische Schulen und Wohlfahrtsverbände sind längst zu einer Art eigener Gemeinden geworden“, beschreibt Elisabeth Vratz die neue Wirklichkeit und fasst den Grundgedanken zusammen: „Kirche ist überall da, wo Menschen ein gläubiges Leben miteinander teilen.“

Das wird künftig in noch größeren Einheiten der Fall sein. Für Beerdigungen, Taufen, Seelsorge, Krankensalbung und weitere Dienste werden sich künftig keine Ansprechpartner mehr in unmittelbarer Wohnortnähe finden. „Im März laden wir die Gemeinschaft der Gemeinden zu einer Konferenz ein“, schaut Hans-Joachim Hofer nach vorn, „da geht es auch um die künftige Organisation des Beerdigungsdienstes.“ Vielleicht bildet man regionale Beerdigungskreise mit mehr Einsatz von „Laien“.

Das alles kann zu ganz neuen Formen des Glaubenslebens führen, das vielleicht sogar zeitgemäßer daher kommt. „Junge Leute leben ihren Glauben häufig ganz anders, als wir es von früher gewohnt sind“, erklärt Frau Vratz. Warum also nicht die Strukturen der Kirche den neuen Bedürfnissen anpassen? Schließlich hat sich die katholische Kirche in den 2000 Jahren ihres Bestehens schon mehrfach gewandelt. Und die Veränderungen geschehen ganz ungleichzeitig, da in jeder Gemeinde unterschiedliche Gegebenheiten herrschen.

Es bleibt also ein offener Prozess, der viele Möglichkeiten zulässt. Die Gläubigen dürfen dabei Zutrauen haben, findet die Dreierrunde. Denn schließlich ändern sich im Laufe der Zeiten nur die Formen der Verkündigung, passen sich an die Zeit an. Das Verkündete hingegen, der Glaube an Gott, bleibt immer gleich. Und dies ist der Kern, um den sich alles andere dreht.