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"Kinder sind ausgehungert nach sozialen Kontakten"

Städtisches Hilfsprogramm nach dem Corona-Lockdown : „Kinder sind ausgehungert nach sozialen Kontakten“

Die Corona-Krise hat vor allem Kindern und Jugendlichen zu schaffen gemacht. Und nicht nur, weil der Schulunterricht ausfiel und Lerninhalte nachzuholen sind.

„Die Kinder und Jugendlichen sind ausgehungert nach sozialen Kontakten“, sorgt sich Silke Wintersig. Die Leiterin der städtischen Abteilung Jugend weiß, dass in der langen Corona-Krise die digitalen Medien kein Ersatz waren für persönliche Begegnungen: „Die gigitalen Formate empfinden sie längst als öde und langweilig.“

Auch Stadtdirektor Markus Schön sagt selbstkritisch: „In den 15 Monaten Corona-Lockdown sind Kinder und Jugendliche in unserer öffentlichen Wahrnehmung zu kurz gekommen.“ Sie fühlten sich mit ihren Sorgen und Nöten nicht ernst genommen und hätten kaum Möglicheiten der Beteiligung an den Corona-Entscheidungen gehabt.

Um die Defizite auszugleichen, startet die Stadt Krefeld kurzfristig ein spezielles Sommerprogramm. „Wir wollen damit rund 300 Kinder und Jugendliche in den Sommerferien erreichen“, sagt Dr. Sabrina Diana Lesch, Koordinatorin der Krefelder Präventionskette.

Zum Programmpaket gehören kostenlose Kurse für Kinder aus Einwandererfamilien, in denen spielerisch Deutsch vermittelt und gemeinsame Ausflüge organisiert werden. Zudem bietet die Lernwerkstatt des psychologischen Dienstes eine Reihe von Aktivitäten an. Auch die Volkshochschule ist beteiligt, wenn in Jugendeinrichtungen Einwandererkinder gezielt angesprochen werden. 

„Wir ergreifen aber auch langfristig Maßnahmen“, ergänzt Dr. Lesch. So soll der ganze Monat September zum „Kinder- und Jugendmonat“ erklärt werden. Am 5. September wird vor dem Rathaus ein Familiennachmittag mit Bühnenprogramm angeboten. Vom 19. - 22. September steigt im Freizeitzentrum Süd wieder die beliebte Kinder-Expo. „Wir versorgen die Grundschulen flächendeckend mit Schulsozialarbeit“, sagt Stadtdirektor Schön zu. Schwimmkurse sollen dafür sorgen, dass sich mehr Kinder im Wasser sicher fühlen. Auch die Hilfen beim Übergang von der Schule in den Beruf sollen zusammen mit der Arbeitsagentur gestärkt werden. 

Das alles kommt in erster Linie sozial benachteligten Familien zugute. Doch geht es nicht nur um konkrete Ergebnisse. Wissenschaftlichen Studien zufolge fühlen sich in der Corona-Pandemie gut 60 Prozent der 15 - 30-Jährigen einsam; über 60 Prozent fühlen sich psychisch belastet. Da wirken alle städtischen Angebote auch kontakt- und gemeinschaftsfördernd.