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Krefeld: „Kein Chinese kennt den Ausdruck Mao-Anzug“

Krefeld : „Kein Chinese kennt den Ausdruck Mao-Anzug“

. Asienexperte Walter Bruno Brix präsentiert ab 11. Oktober die Ausstellung „Drachen aus goldenen Fäden“ im Textilmuseum am Andreasmarkt in Linn.

Aus dem umfangreichen China-Bestand des Hauses hat er circa 100 Textilien und Gewänder ausgewählt.

Sein Schwerpunkt wird zwar auf den kulturhistorisch wertvollen Kaisergewändern, Priesterroben, Hochzeitstrachten - allesamt mit Drachenmotiven - liegen.

Seinen Blick richtet er jedoch ebenso auf zeitgenössische Textilien, zu denen auch der sogenannte „Mao-Anzug“ zählt.

„In China kennt keiner einen Mao-Anzug“, verblüfft der Asien-Experte. Vielmehr sei er im Reich der Mitte als „Zhongshan-Anzug“ bekannt und benannt nach Sun Yatsen (Sūn Zhōngshān), dem ersten Staatspräsidenten der Chinesischen Republik.

Die Vorbilder seines Anzuges finden sich in den Uniformen europäischer Mächte, als er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Auftrag zur Anfertigung erteilte. Sein populärster Träger war allerdings der langjährige Vorsitzende der Kommunistischen Partei, MaoZedong, der ihn unter anderem 1949 bei der Ausrufung der Volksrepublik China trug.

Ausgesprochene Kommunisten, aber auch weniger Überzeugte kleideten sich fortan systemkonform mit dem Anzug – entweder in Verbindung mit einem Rollkragenpullover oder ohne.

Walter Bruno Brix widmet sich seit 2017 der erstmaligen Erforschung und umfassenden Dokumentation des ostasiatischen Bestands am DeutschenTextilmuseum. Wegen des gewaltigen Umfangs entschied er, sich auf den chinesischen Teil zu konzentrieren.

Als freischaffender Wissenschaftler und weltweit anerkannte Asien-Experte kennt er die Depotinhalte von diversen Museen. Für die Krefelder Sammlung konnte Brix nun ein Mao-Anzug-Exemplar erwerben, das aus den 1950er- bis 1970er-Jahren stammt. Dabei handelt es sich zudem um ein besonderes Stück, denn es wurde in Hangzhou gefertigt, wo das Nationalmuseum für Seide beheimatet ist. Diese blaue Variante blieb den Arbeitern und Bauern vorbehalten, andere Farben dem Militär und den kommunistischen Kadern.

Die schlichte Jacke-Hose-Kombination verweist mit ihren einzelnen Elementen wie den aufgesetzten Taschen allerdings wieder auf traditionelle Bedeutungen. „Die vier Taschen stehen für konfuzianische Kardinalstugenden: Schicklichkeit, Gerechtigkeit, Ehrbarkeit und Schamgefühl“, so Brix.