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Krefeld: Wirtschaft in Zeiten von Corona: IHK-Chef: „Es herrscht pure Existenzangst“

Krefeld: Wirtschaft in Zeiten von Corona : IHK-Chef: „Es herrscht pure Existenzangst“

90 Prozent der Unternehmen in Krefeld befürchten, dass sich die Coronakrise negativ auf ihr Geschäft auswirken wird. Ein Drittel wird wohl trotz Kurzarbeit Mitarbeiter entlassen müssen. 13 Prozent befürchten offenbar eine Insolvenz. Dies berichtet Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Auch der Ausbildungsmarkt könnte die Folgen der Pandemie zu spüren bekommen.

„Wir müssten in diesen Tagen mehr Psychologen und Sozialarbeiter einsetzen. Denn es herrscht die pure Existenzangst“, berichtet Jürgen Steinmetz aus dem Tagesgeschäft der Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Der Hauptgeschäftsführer nahm am Dienstag an der täglich stattfindenen Pressekonferenz im Rathaus teil, gab dabei einen Einblick in das Seelenleben vieler Geschäftsleute. „Die Lage ist wirklich dramatisch, dies zeigen auch unsere jüngsten Umfragen“, so Steinmetz.

Gegenüber der IHK äußerten 90 Prozent der Unternehmer die Befürchtung, dass sich die Coronakrise für sie negativ auswirken würde. Ein Drittel rechnet damit - trotz der Beantragung von Kurzarbeitergeld - Mitarbeiter entlassen zu müssen. 13 Prozent sehen sich auf dem Weg in die Insolvenz. Alleine in den vergangenen zwei Wochen führten die Berater der IHK-Hotline mehr als 5000 Telefongespräche.

Oberbürgermeister Frank Meyer kennt die Nöte der Wirtschaft, sagt: „Auch wenn wir als Stadt, die sich nach wie vor in der Haushaltssicherung befindet, unsere eigene Liquidität im Auge behalten müssen, so haben wir nichts desto trotz ein großes Interesse daran, den Unternehmen zu helfen. Denn was jetzt verloren geht, wird schwer wieder aufzubauen.“

Städtischerseits will man durch zahlreiche Maßnahmen unterstützend eingreifen. Beispielsweise durch die Stundung von Gewerbesteuerzahlungen oder ein Aussetzen von Vorauszahlungen. Kämmerer Ulrich Cyprian berichtet, dass dies bereits 50 (Stundung) bzw 130 Unternehmen beantragt haben. Auch kleinere Maßnahmen, wie Ausnahmegenehmigungen für den Lieferverkehr in der Fußgängerzone oder für nächtliche Anlieferungen, sollen helfen. Zudem soll Gastronomiebetrieben für die Zeit der corona-bedingten Schließung die Pacht für Außenterassen erlassen werden. Für die Zeit nach der Krise prüfe die Stadt, so OB Meyer, ob eine Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage möglich ist.

Eckart Preen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG), musste zunächst einmal den Bereich Krisenberatung wieder aufstocken. „Nach der Finanzkrise 2009 konnte man die Zahl der Fälle an den Fingern einer Hand abzählen“, sagt er und ergänzt: „Wie stark sich die Krise auswirkt, wird ganz klar von der Dauer abhängen.“

Die Leiterin der Arbeitsagentur Krefeld, Dr. Bettina Rademacher-Bensing, sorgt sich zudem um den Ausbildungsjahrgang 2020. „Diese Jugendlichen haben eine Chance verdient, aber die Gemengelage ist derzeit schwierig.“ Jürgen Steinmetz rät zu mehr Flexibilität und apelliert dafür, dass Jugendliche auch nach September eine Ausbildung beginnen können.