1. Die Stadt

: „Ich bin gewohnt, Probleme zu lösen“

: „Ich bin gewohnt, Probleme zu lösen“

Kommunalwahl 2020: Der Extra-Tipp stellt die Spitzenkandidaten für das Amt des Krefelder Oberbürgermeisters vor. Treffpunkt ist der jeweilige Lieblingsort der Politiker. Heute: Kerstin Jensen (CDU).

„In meinem Büro liegen immer Turnschuhe bereit”, lacht Kerstin Jensen.

Denn wenn die Rechtsanwältin mittags mal Pause einlegt, dreht sie gern mit ihren Hunden eine Runde durch den nahe gelegenen Stadtwald. Malerisch hier, vor allem jetzt im Sommer.

Natur bedeutet der OB-Kandidatin die Verantwortung des Menschen für Tiere und Pflanzen. Deshalb ist sie Mitglied bei Greenpeace und dem WWF. Im Grünen kann sie aber auch prima von der Arbeit abschalten.

Wobei Jensen gar nicht mal der ruhige Typ ist. Im Gegenteil: „Wenn ich richtig was um die Ohren habe, merke ich doch, dass ich lebe”, nimmt sie Herausforderungen gerne an.

Auch deshalb steht sie dem Arbeitskreis vor, der hier im Stadtwald die Ferienaktion „Spiel ohne Ranzen” organisiert. Vorsitzende hört sich nach Helikopter-Position an. Aber falsch. „Ich mache alles mit”, zählt die zweifache Mutter ungerührt auf: Spenden einsammeln, fürs Essen sorgen, Betreuer unterstützen, weinende Kinder trösten, Kritik anhören, mit der Verwaltung herumärgern und und und.

Insofern fühlt sie sich auf der Bank in der Nähe des Spielplatzes, wo sie sich mit dem Extra-Tipp zum Gespräch getroffen hat, fast schon wie zu Hause. Überdies mag sie das restaurierte Bootshaus. Schließlich hatte sie sich der Bürgerinitiative zur Rettung des historischen Gebäudes angeschlossen. „Ja, das hier ist mein Lieblingsplatz”, freut sich Jensen über das quirlige Leben: Bootsfahrer auf dem See, Familien beim Picknick, Ball spielende Kinder. Auch das ist Krefeld.

Eine ältere Dame spaziert vorbei und schaut auf: „Sie sind doch Frau Jensen”, ruft sie freundlich und bleibt stehen. Kerstin Jensen strahlt. Die Damen kommen sofort ins Gespräch. Dann verabschiedet sich die Passantin wieder, indem sie die Daumen beider Hände fest in die Handflächen drückt. Toi, toi, toi für die OB-Wahl, soll das heißen. „Erleben Sie solch Zuspruch öfter”?, frage ich. Jensen nickt still: „Ja… doch, ja…” Sie lächelt.

Die ehemalige Geschäftsführerin eines Bildungsträgers hat sich als Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters bzw. der Oberbürgermeisterin zur Verfügung gestellt, weil sie frischen Wind in die Stadtverwaltung bringen will: „Die Stadt muss geführt werden wie ein Unternehmen”, erklärt sie mit Nachdruck. Sie betrachte die Verwaltung als Dienstleister, der Bürgern und Firmen keine Steine in den Weg legt, sondern ihre Pläne fördert. „Als Rechtsanwältin bin ich es gewohnt, dass Menschen ein Problem haben und ich einen Weg suche, ihr Problem zu lösen.“ Das wäre auch ihre Haltung als Oberbürgermeisterin.

„Ein Oberbürgermeister bzw. eine Oberbürgermeisterin soll sich keine Denkmäler setzen, sondern an die nächste Generation denken, die die Schulden von heute mal bezahlen muss”, legt sie nach. Was mache es für einen Sinn, ein Stück Radpromenade zu bauen, das mangels Geld und Grundstücksrechten in absehbarer Zeit gar nicht vollendet werden könne. Und von welchem Geld wolle die Stadt denn die angepeilte Eis- und Schwimmhalle finanzieren?

„Wir sollten besser die Schulen digitalisieren und Unternehmen in die Stadt ziehen, Pläne verfolgen, die wir auch wirklich mit dem vorhandenen Geld stemmen können”, ärgert sich Jensen über mangelnde Bodenständigkeit in der Politik.

Vor zehn Jahren noch machte die streitbare Bürgerin bei der FDP mit. Dann der Wechsel zur CDU. Warum? „Die CDU ist grüner, weiblicher und christlicher,” listet sie auf. Eigenschaften, die ihr viel bedeuten. Nach rechts grenzt sie sich ab. Doch auch mit dem linken Flügel der Grünen oder gar der Linkspartei hat sie nichts am Hut. So entsteht Profil.

Nun drängt aber die Zeit. Kerstin Jensen hat in diesen Wahlkampfwochen unzählige Termine. Und nach Hamburg muss sie auch noch. Da unterrichtet sie Gewerkschafter in ihren Rechten. Noch einmal ein Blick über den See, tief durchatmen und tschüss. Auf der Fahrt in den Norden nimmt sie die Idylle des Stadtwaldes im Herzen mit.