Kegeln: „Gut Holz“, statt „altes Eisen“

Kegeln : „Gut Holz“, statt „altes Eisen“

„Die Jugend kommt nicht nach und die Alten sterben aus“, so könnte man kurz und knapp das Dilemma vieler Kegelvereine am Niederrhein und in Deutschland auf den Punkt bringen. Doch der Krefelder Kegelclub „Tip und Tap“ will sich damit nicht abfinden

Ein geselliger Abend auf der Kegelbahn gehörte in deutschen Nachbarschaften und Freundeskreisen in den 70er und 80er Jahren noch zum selbstverständlichen Zeitvertreib, „Gut Holz“ war in aller Munde. Doch das Freizeitverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch geändert, die klassische Eckkneipe ist heutzutage vom Aussterben bedroht - und mit ihr auch viele Kegelclubs und Vereine.

„Das ist ja schon seit Langem zu beobachten, dass nicht nur Lokale schließen, sondern sich auch die Klubs auflösen. Die meisten Mitglieder sind einfach zu alt“, sagt Heinz-Georg Möll vom Kegelklub „Tip und Tap“, der sich alle vier Wochen im Haus Siebenmorgen auf der Uerdinger Straße trifft. Von einstmals über zehn Mitgliedern sind nur noch fünf Aktive übrig, auch dabei spielte das alter eine Rolle. Damit stehen die Krefelder Kegler exemplarisch für eine Entwicklung, die sich vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten abgezeichnet hat.

2018 waren im Westdeutschen Kegler- und Bowlingverband nur 2.544 Mitglieder gemeldet, vor 30 Jahren waren es noch gut 11000. Und auch bei den Kegelklubs ohne Vereinseintrag sieht die Situation nicht viel besser aus. „Früher musste man sich oft schon Wochen vorher um eine Bahn bemühen“, weiß Möll.

Doch heute sind die gemütlichen Wirtschaftshinterzimmer oft fast leer. Doch Heinz-Georg Möll und seine Kegelbrüder von „Tip und Tap“, gegründet im Jahr 1968, geben nicht auf. „Uns macht nicht nur das Kegeln Spaß. Wir freuen uns auf einen gemütlichen Abend, man redet und hat Spaß und verbringt eine gute Zeit zusammen“, schwärmt der 76-Jährige.

Die Geselligkeit sei es, die vielen durch das Klub-Sterben abhanden gekommen ist. „Viele wünschen sich wieder irgendwo Anschluss zu bekommen, aber trauen sich vielleicht nicht. Wir würden uns auf neue Mitglieder freuen, Männer über 65 Jahren sind herzlich willkommen. Aber mit 64 hätte man bei uns auch noch eine Chance“, sagt der engagierte Krefelder augenzwinkernd.

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