1. Die Stadt

Günther Ueckers Nagelkahn in der Krefelder Kirche Pax Christi

Kirche als Kunstraum : Offene Diskussion erwünscht

Eine weithin einzigartige Kirche feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Sie spricht nicht nur Christen an.

Diesen Kahn könnte nur ein indischer Fakir benutzen. Denn durch seinen Boden sind unzählige spitze Nägel getrieben.

Günther Uecker, wegen seiner „Nagelbilder“ weltweit berühmt, überließ das Kunstwerk seinem persönlichen Freund, Pfarrer Karl Josef Maßen. Der Theologe und der Künstler hatten sich in Düsseldorf kennengelernt.

Pfarrer Maßen stellte den Nagelkahn in seiner Kirche Pax Christi an Glockenspitz auf. Im Laufe der 40 Jahre ihres Bestehens hat die Gemeinde 35 Werke namhafter Künstler gesammelt. Treibende Kraft war stets Pfarrer Maßen, der 2017 verstorben ist. Wegen der Kunstschätze gilt Pax Christi weithin als Juwel unter den katholischen Gotteshäusern und zieht nicht nur Gläubige in ihren Bann.

Denn die Kunstwerke sind keine sakralen Auftragsarbeiten. Pfarrer Maßen wollte mit Hilfe der Kunst einen kritischen Geist in die Kirche einziehen lassen und die Diskussionskultur anregen. Meinung und Gegenmeinung über die Werke war und ist ausdrücklich erwünscht. Die Kunst sollte am heutigen Menschen orientiert sein.

Die Kunstwerke wurden auch nicht durch Kirchensteuern oder die Kirchenkasse bezahlt. Wenn es sich nicht um Schenkungen oder Leihgaben handelte, wurden sie durch Spenden oder Sponsoren erworben.

So ist heute an Glockenspitz ein Raum entstanden, der eine einmalige Mischung aus christlicher Spiritualität und zeitgenössischer Kunst ausstrahlt.

Dadurch ist wohl auch zu erklären, dass sich die Gemeinde nur zweitrangig über das territoriale Einzugsgebiet definiert. Die Gottesdienstbesucher kommen teils von weit her.

Am Sonntag, 5. Mai, feiert die Gemeinde ihr 40-jähriges Bestehen. 1979 war das Gemeindezentrum gebaut und eingeweiht worden. Der Bau war notwendig geworden, weil die Gemeinde durch Zusammenlegung mehrerer ursprünglicher Gemeinden entstanden war.

Um 11 Uhr ist ein Festgottesdienst angesetzt. Die musikalische Gestaltung übernimmt das Ensemble Tibia Colonia. Im Anschluss lädt die Gemeinde zu Gesprächen und Begegnung am Buffet ein. Ein offenes Singen um 14 Uhr beschließt die Feier.