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Erneute Schließungen ab Montag: Großer Unmut in Gastro-Szene

Erneute Schließungen ab Montag : Großer Unmut in Gastro-Szene

Das öffentliche Leben wird ab morgen erneut ein Stück zurückgefahren. Die beschlossenen Maßnahmen stoßen vor allem bei den Gastronomen auf Unverständnis. Doch nicht alle Krefelder hadern mit dem „Lockdown light“. Der Extra-Tipp sprach mit Nordbahnhof-Wirtin Anne Furth und Rennbahn-Chef Volko Herdick.

Ab morgen bleibt die Küche für vier Wochen (fast) kalt. Der ab morgen beginnende „Lockdown light“ sorgt bei den Gastronomen in Krefeld für großen Ärger. „Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht“, klagt Anne Furth vom Krefelder „Nordbahnhof“.  „Wir haben uns während der Sommermonate jeden Tag Gedanken dazu gemacht, wie wir uns für den Herbst und Winter aufstellen können. Wir haben viel Zeit und Geld investiert. Und dann das.“ Erst in der vergangenen Woche eröffneten die Furths ihre „Orangerie“, ein schmuckes Außenzelt auf dem Bahnsteig. Die verschiedenen Maßnahmen zur Einhaltung der strengen Hygienevorschriften haben die Inhaberfamilie des Kult-Restaurants am Oranierring rund 50 000 Euro gekostet. „Wir haben wirklich alles getan, um unseren Gästen ein gemütliches und  sicheres Umfeld zu bieten“, sagt Anne Furth, die keinerlei Verständis für die in Berlin getroffenen Beschlüsse hat. „Restaurants müssen schließen, Kantinen dürfen aber weiter geöffnet bleiben. Was soll das?“, fragt sich die 31-Jährige und ergänzt: „Es ist doch überhaupt nicht erwiesen, dass ein Restaurantbesuch das Infektionsrisiko steigert.“ Sie macht aber auch keinen Hehl daraus, dass es auch im Bereich der Gastronomie „schwarze Schafe“ gibt. „Wer sich nicht an die Regeln hält, der muss aus dem Verkehr gezogen werden. Aber alle Betriebe pauschal zu schließen, dies ist der falsche Weg.“ Übrigens: Im „Nordbahnhof“, so berichtet Anne Furth,  lagern säckeweise Registrierungszettel, die in den vergangenen Wochen von den Gästen ausgefüllt wurden. „Kontrolliert wurden wir aber noch kein einziges Mal“, sagt die Gastronomin, schüttelt ungläubig den Kopf und ergänzt: „Ich bin auch sehr skeptisch, ob die Coronahilfe wirklich bei uns ankommt.“ Zur Erläuterung: Bis zu 75 Prozent des Vorjahresumsatzes (November 2019) will der Bund betroffenen Firmen erstatten. So die Ankündigung aus Berlin.

Rennbahn-Chef Volko Herdick setzt darauf, diese Fördergelder abrufen zu können. Doch nicht nur deswegen hält er den „Lockdown light“ für eine „richtige Entscheidung“. Wenngleich er einräumt, dass es „besser gewesen wäre, wenn man geplantes Feiern erlaubt hätte“. „Nun werden sich die Menschen im privaten Umfeld treffen, ohne dass dies zu steuern ist.“ Die Veranstaltungsstätte Rennbahn schickt Herdick nun in den vorzeitigen Winterschlaf. „Wir nutzen die Zeit, um uns für 2021 aufzustellen. Sicherlich wird dann viel mehr im Außenbereich stattfinden müssen.“

Es sei Zeit für neue Konzepte, sagt er und berichtet sogleich von einem Test im Zuge einer kürzlich stattgefundenen Hochzeitsfeier. „Dort wurden Corona-Schnelltests eingesetzt und zusätzlich Fieber gemessen. Wer keine Symptome hatte, durfte rein.“