1. Die Stadt

Familiennachlässe in digitaler Form

Begründer des Forstwalds auf Datenspeicher : Digitaler Familiennachlass

„Die Daten umfassen 5,8 Gigabyte”, unterstreicht Archivar Dr. Olaf Richter die gewaltige Größe des Neuzugangs. Zum Vergleich: Das Stadtarchiv verfügt bislang über digitalisierte Dokumente von 18 GB. Diese Zahlen lassen erahnen, dass es schlicht überholt ist, mit dem Begriff Archiv muffige Schachteln und vergilbtes Papier zu assoziieren. Das Krefelder Stadtarchiv ist auf dem Weg in die digitale Zukunft.

Der Inhalt des Neuzugangs auf Datenspeicher ist nicht weniger Aufsehen erregend:

es handelt sich um eine Fülle von Zeugnissen aus dem Leben der Krefelder Fabrikantenfamilie Schumacher, die im 19. Jahrhundert den heutigen Forstwald begründet hatten.

Es war der Kaufmann Gerhard Schumacher, der sich 1838 das heutige Restaurant Forsthaus als Wohnsitz erbaute; und zwar mitten in seinem Privatwald, den er ab 1830 anlegen ließ. Erst 1929 ging der entstandene Wald in den Besitz der Stadt Krefeld über. Der heutige Forstwald.

„Ich stand vor einem Umzugskarton, der randvoll mit Unterlagen war”, erinnert sich staunend Jürgen Reck, der dann ein halbes Jahr lang die Unterlagen sichtete und per Scanner digitalisierte. Der Vermessungsingenieur im Ruhestand, der ehrenamtlich im Haus der Seidenkultur mitarbeitet, hatte die Nachfahrin Gerhard Schumachers, Gisela Varzandeh, kennen gelernt. Sie hatte ihm den Karton zur Sichtung überlassen.

Die Sammlung enthält Geburts- und Sterbeurkunden, Tagebücher und Briefe, Zeitungsausschnitte und Handschriften.

Auch eine Zuckerdose fand sich, die seltsamerweise mit einem Schlüssel verschließbar ist. „Das geht auf die Kontinentalsperre zur Zeit Napoleons zurück”, erklärt Jürgen Reck. Damals zu Beginn 19. Jahrhunderts hatte England die Zufuhr von Waren nach Europa gesperrt, um Napoleon vom Welthandel abzuschirmen. Zucker wurde knapp und teuer. Deshalb hatte die Besitzerin der Zuckerdose, Eugenie de Greiff-Schumacher, die Dose vor Zugriff von Fremden oder der Kinder verschließen lassen.

Eugenie de Greiff war Sprössling der bekannten Krefelder Seidenbaronfamilie und hatte bei den reichen Schumacher eingeheiratet. So hingen die Familien der Krefelder Oberschicht zusammen.

Spektakulär sind die Aufzeichnungen eines Nachfahren, Günter Schumacher. Diesen verschlug es im Jahre 1930 beruflich nach Japan. Dort bestieg er an einem Montag, an dem er sich frei genommen hatte, den Vulkanberg Fuji. In kürzester Zeit musste er den 3766 Meter hohen Krater erklimmen, denn am Dienstag hatte er wieder an seinem Arbeitsplatz zu sein. Urlaub war damals in Japan unbekannt.

„Die hier abgebildete Familiengeschichte reicht vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart”, freut sich Dr. Richter über den neuen Schatz in seinem Archiv. Die Familie hat ihn im Archiv hinterlegt und diesem zur Nutzung überlassen. Damit ist er nun öffentlich zugänglich.