Bereitschaftspflege - Pflegeltern auf Zeit: Eltern berichten über ihr Engagement

Bereitschaftspflege - Pflegeltern auf Zeit : Eltern berichten über ihr Engagement

Etwas über vier Jahre sind Julia, ihr Mann Karsten und ihre zwei Kinder, Ben (11 Jahre) und Tim (14 Jahre) jetzt nun als Bereitschaftspflegefamilie für das Krefelder Kinderheim Kastanienhof im Einsatz.

In dieser Zeit hat die Familie bereits acht Kindern ein „Zuhause auf Zeit“ gegeben.

Der Bereitschaftspflegevater Karsten erinnert sich an so manche Herausforderung und an ein Bestimmtes ihrer Bereitschaftspflegekinder. Emilys Geschichte war schon sehr traumatisch. Sie war bei der Festnahme ihrer Eltern durch die Polizei anwesend und hatte alles mitbekommen. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits 3 Jahre alt und hat ganz viel erzählt und gefragt. Das war nicht leicht. „Manchmal möchte ich dann auch gar nicht alles wissen, was passiert ist“, so Karsten. „Ich muss den Eltern ja noch gegenübertreten.“

Was die leiblichen Eltern betrifft, ist ein respektvoller aber distanzierter Umgang wichtig. Die „Pflegeeltern auf Zeit“ sind ausschließlich für das Kind verantwortlich. Und die meisten leiblichen Eltern erkennen, dass es ihr Kind dort gut hat.

Die Kinder bleiben solange es dauert. Dies kann sehr unterschiedlich sein. Mal ein paar Wochen, häufig aber auch einige Monate. Die Verweildauer sollte so kurz wie möglich sein. Dennoch können Faktoren wie familiengerichtliches Verfahren, Gutachten, stagnierende Klärungsprozesse usw. die Verweildauer der Kinder in der Bereitschaftspflege beeinflussen.

„Zunächst dachte ich, ob ich es schaffe das Kind wieder abzugeben?“, erinnert sich die Bereitschaftspflegemutter. „Schließlich hat man das Kind ja auch ins Herz geschlossen. Und wenn das Kind dann nicht mehr bei uns ist, ist das schon auch eine schwierige Zeit. Aber das Abgeben ist ein Prozess und er kommt nicht plötzlich. Man weiß ja von Beginn an, dass das Kind gehen wird und man hat in der Regel Tage und Wochen Zeit sich mit dem Gedanken anzufreunden.“

Die Bereitschaftspflegemutter spricht hier vom Prozess der Anbahnung von der Bereitschaftspflege zum Beispiel in eine Dauerpflegefamilie oder zurück zu den leiblichen Eltern. Hier sorgt ein ausschleichender Kontakt dafür, dass das Kind einen sanften Übergang erhält. Auch in diesem Prozess werden die Bereitschaftspflegeeltern durch den Fachdienst des Kastanienhofes eng begleitet und unterstützt.

Jede Bereitschaftspflegefamilie hat ihren Weg mit dem Abschied umzugehen. „Für den letzten Tag haben wir ein festes Ritual entwickelt, dass es der ganzen Familie ermöglicht, abzuschließen und loslassen zu können. Wir machen immer eine Abschiedsfeier für das Bereitschaftspflegekind mit der ganzen Familie und Freunden“, so die Bereitschaftspflegemutter. Julia und Karsten setzen sich nach jedem Kind mit ihren Söhnen zusammen und überlegen gemeinsam, wie es weiter geht. Ob sie eine Pause brauchen oder schnell wieder einem neuen Kind ein „Zuhause auf Zeit“ geben wollen.

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