1. Die Stadt

Einsatz gegen die soziale Spaltung der Stadt

Einsatz gegen Spaltung der Stadt : Das Ohr nah am Volk

Die Stadtspitze hat eine neue Stabsstelle Gemeinwesen eingerichtet. Was verbirgt sich hinter diesem Ansinnen?

„In der Stadtmitte stehen wir vor größeren Herausforderungen als in den Randgebieten Krefelds“, beschreibt Stadtdirektor Markus Schön eine gewisse soziale Spaltung der Bürgerschaft.

Sie drückt sich in harten Zahlen aus: Während die Arbeitslosenquote in ganz Krefeld 10,1 % beträgt, liegt sie in den Stadtbezirken Mitte und Süd bei 40 - 50 %. Im Bezirk Mitte leben nicht weniger als 3000 Kinder und Jugendliche von staatlichen Leistungen. Fast die Hälfte der Grundschulkinder in Krefeld-Mitte kann sich sprachlich nicht so ausdrücken, wie es ihrem Alter entsprechen müsste. Überdies haben sie schlechtere, weil ungepflegtere Zähne als der Durchschnitt ihrer Altersgenossen. Die Liste ließe sich verlängern.

Da sich die Stadt Krefeld nun aber gleichwertige Lebensbedingungen auf die Fahne schreibt, hat Stadtdirektor Schön eine „Koordinierungsstelle Gemeinwesenarbeit“ eingerichtet. Sie soll alle sozialen Hilfsangebote und Projekte in der Stadt vernetzen, um gemeinsam schlagkräftiger zu werden. 

Zudem schlägt sie einen neuen Weg ein: „Wir müssen mit den Menschen ins Gespräch kommen“, erklärt Dr. Sabrina Lesch, die kommissarische Leiterin der Koordinierungsstelle. Die Betroffenen sollen ihre Bedürfnisse selbst artikulieren können, damit die Stadt mit ihren Hilfsangeboten nicht ins Leere greift.

Dazu hat die Koordinierungsstelle eigens eine Kommunikationsstelle eingerichtet. Steffen Hoss, selbst wohnhaft in der Innenstadt, will das Ohr nah ans Volk legen. Überdies organisiert Dr. Lesch eine Familienbefragung. Nicht zuletzt schafft Quartiersmanager Sandy Schilling weitere Anlaufstellen, in denen die Anwohner ihr Herz ausschütten können. 

Aber auch die bessere Abstimmung zwischen den Bereichen Kinderförderung, Flüchtlingsbetreuung, Arbeitsmarkt, Fortbildung und anderen soll auf die Zielgruppen zugeschnitten werden. So schlägt Arbeitsmarktkoordinator Markus Klein vor, Infos zur Beschäftigungsförderung für Osteuropäer in den Kulturzentren der Landsmannschaften auszulegen; also dort, wo die Zielgruppe tatsächlich verkehrt.

Leiterin Dr. Lesch macht deutlich, dass es sich beim Zusammenwirken aller Sozialbereiche um ein Langzeitprojekt handelt. Auch die Stadtplaner müssen eingebunden werden. Denn letztlich geht es um eine harmonisierte Entwicklung der Gesamtstadt.