Einheitsfeier im Krefelder Seidenweberhaus

Feier zur Deutschen Einheit : Aufgaben des Jahrhunderts

Beim traditionellen Konzert zum Tag der Deutschen Einheit hat Oberbürgermeister Frank Meyer an den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren erinnert.

„Damals standen die Zeichen auf Neubeginn, die Zeit der Spaltung schien überwunden, der Weg war frei für ein neues Deutschland und ein neues Europa. Wir konnten gemeinsam das Ende eines Unrechtssystems feiern, das seine Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr beobachtet, bedroht, verfolgt, drangsaliert und eingesperrt hatte“, erklärte der Oberbürgermeister am Donnerstag im Seidenweberhaus.

Doch die Euphorie dieser Tage sei einer gewissen Ernüchterung gewichen, es sei mit den Jahren „wieder dunkel und eng geworden in den Köpfen“.

In seiner gut 20-minütigen Ansprache forderte er die Menschen dazu auf, sich an die ursprüngliche Bedeutung des berühmten Satzes „Wir sind das Volk!“ zu erinnern – als ein Ausdruck von Solidarität und Gemeinschaft, auch über Staatsgrenzen hinaus.

Angesichts aktueller Herausforderungen der Globalisierung, der Digitalisierung des Alltags, der Umweltzerstörung und des Klimawandels brauche es ein „starkes Europa und eine geeinte Weltgemeinschaft“, um die „ großen Menschheitsaufgaben unseres Jahrhunderts“ zu bewältigen.

Neben der Europäischen Union müsse es auch ein „Europa der kleinen Schritte“ geben, betonte Frank Meyer, und verwies dabei unter anderem auf die intensive Pflege der Städtepartnerschaften. „Durch die vielfältigen Kontakte entsteht in unseren Beziehungen ein unschätzbarer Wert – nämlich Nähe: Menschliche Verbindungen lassen sich nicht in kluge Satzungen oder hübsch gerahmte Urkunden packen, sie müssen auf der persönlichen Ebene wachsen.“

Ein gutes Beispiel dafür seien auch die Kontakte zum italienischen Generalkonsul Pierluigi Ferraro, der als Ehrengast aus dem diesjährigen Partnerland Italien beim Konzert zugegen war.

Die italienische Migrationsgeschichte in Deutschland bezeichnete der Oberbürgermeister als Vorbild für gelungene Integration: „Sie war kein Selbstläufer, und sie griff erst im Laufe von Generationen. Doch heute sind die meisten italienischen Einwanderer und ihre Familien perfekt in die deutsche Gesellschaft integriert und haben sie in vielerlei Hinsicht bereichert. Die Italienerinnen und Italiener sind aus Krefeld nicht wegzudenken: Aus den Gastarbeitern von damals sind die Freunde und Nachbarn von heute geworden – und mitsamt ihren Kindern und Enkeln sind sie längst ein fester Bestandteil dieser Stadt.“

Bevor die Niederrheinischen Sinfoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson und Gastdirigent Simone Valeri Werke von Puccini, Respighi und Brahms spielten, hielt der Generalkonsul ein kurzes Grußwort.

Auch er verwies dabei auf die übergeordnete Bedeutung der Ereignisse im Berlin des Jahres 1989: „Genau vor 30 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen und markierte damit den Beginn eines Prozesses, der einige Jahre später zur Wiedervereinigung Deutschlands geführt hat. Man heilte damit eine Wunde, die über Jahrzehnte ganz Europa Schmerzen und Leid verursacht hat, vor allem dem deutschen Volk. Mauern niederzureißen und Völker zu verbinden, sind Erfahrungen von Frieden und Freiheit. Dennoch gibt es heute Menschen, die der Meinung sind, dass die Zukunft der Welt und Europas darin läge, Mauern zu bauen, Grenzen hochzuziehen und den freien Fluss von Menschen zu behindern“, erklärte der Generalkonsul.