Ein Rosenkavalier wie aus dem Bilderbuch

Ein Rosenkavalier wie aus dem Bilderbuch

Das Theater Krefeld führt die beliebte Oper „Der Rosenkavalier“ auf. Der StadtSpiegel besuchte die Premiere am vorigen Sonntag.

Ja, das klassische Theater gibt es noch: mit Vorhang nach jedem Akt, mit eindrucksvoller Kulisse, farbigen Kostümen und ungekürztem Textbuch.

Ein solches Theater bietet die Krefelder Inszenierung der Oper „Der Rosenkavalier“. Verantwortlich zeichnet die Regisseurin Mascha Pörzgen, die einst Mozarts „Zauberflöte“ in einem bunten Kinderzimmer spielen ließ. Auch jetzt besticht ihre Aufführung durch ein klares Raumkonzept.

Das Techtelmechtel zwischen der alternden Feldmarschallin und ihrem jugendlichen Liebhaber Octavian findet in einem fürstlichen Schlafzimmer mit hohen Wänden und gedrechselten Sesseln im Stil des 18. Jahrhunderts statt. Im zweiten Akt wartet die Braut Sophie auf den Brautwerber, den Rosenkavalier, in einem schlossähnlichen Palais mit Blick auf die Hausdächer der Umgebung. Zunächst stehen die Wände eng. Später, mit Eintreffen des Brautwerbers, erweitert sich die Kulisse. Der Rosenkavalier wird majestätisch auf einer Art catwalk in das abgekapselte Empfangszimmer hineingefahren, das sich dadurch öffnet. Die Szenerie wirkt ähnlich der Ankunft des mystischen Schwanenritters im Lohengrin.

Das alles ist für den Zuschauer klar strukturiert, ebenso anschaulich wie symbolträchtig. Erfassbar als Spiegelung der inneren Befindlichkeiten der Figuren.

Der Bilderreigen hangelt sich ziemlich streng an der Textvorlage entlang. So kommen auch die quirligen Statistenrollen der Dienerschaften zu ihrem Recht. Da auch die Kostüme und Frisuren das Flair des Rokoko atmen, ergibt sich eine Art Märchenbuch, das vor Augen und Ohren des Publikums aufgeschlagen wird. Jeder Akt mit jeweils neuer Kulisse fügt ein weiteres, in sich geschlossenes Kapitel hinzu.

Das Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Mihkel Kütson bleibt mit Bild und Text wunderbar abgestimmt. Die Musik von Richard Strauß kennt keine Rezitative und keine eigentlichen Arien. Der Text wird kontinuierlich „durchgesungen“. Dadurch entstehen keine Längen, allerdings auch keine Partien, die besonders „ins Ohr“ gingen.

Die Sänger passen auch äußerlich gut zu ihren Rollen. Matthias Wippich überzeugt schon durch seine Statur als der kraftstrotzende Lebemann Baron Ochs, dessen Name Programm ist. Die Knickerbockerhosen aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts unterstreichen geradezu prahlerisch sein Draufgängertum.

Ganz anders seine Braut. Die zarte Sophie, dargestellt von der nicht minder zart wirkenden Sophie Witte, ist ganz in Rokoko gewandet, was ihre Vornehmheit noch betont. Octavian wird wieder von einer Frau gespielt und gesungen: Eva Maria Günschmann. Sie hat das Kunststück fertig zu bringen, als Frau einen Mann zu spielen, der sich des Schabernacks willen als Frau verkleidet, um dem Baron Ochs eine bittere Lektion zu erteilen. Dankbare Rollen. Dankbar ist überhaupt das ganze Stück, geschrieben von Hugo von Hofmannsthal, dem Wunderkind der Wiener Jahrhundertwende. Er tariert in seinem Text feinsinnig das Verhältnis von Lebensfreude und Melancholie aus. Dies personifiziert besonders die Feldmarschallin, überzeugend gesungen und gespielt von Lydia Easley. Sie genießt ihren jugendlichen Liebhaber, weiß aber schmerzhaft um die schnelle Vergänglichkeit dieser Beziehung. Ein Wissen, dass sich rascher bewahrheitet, als es ihr lieb sein kann; wenn im letzten Akt endlich Sophie und Octavian zueinanderfinden.

Weitere Vorstellungen:

27. September (18 Uhr); 5., 24., 31. Oktober; 2., 22. Dezember (jeweils 19 Uhr).

Karten gibt es an der Theaterkasse, Tel.: 02151/

805125.

(StadtSpiegel)
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