1. Die Stadt

Doktorand wekundet die Geschichte Krefeld-Linns

Was der Boden verrät : Historisches Puzzle

Der gebürtige Krefelder Dr. Patrick Jülich widmete sich für seine Doktorarbeit einer gewaltigen Aufgabe: der umfangreichen archäologischen Untersuchung Krefeld-Linns.

„Keine Stadt im Rheinland ist so aufgearbeitet worden. Es ist eine Flut von Einzelergebnissen“, betont Krefelds Stadtarchäologe Dr. Hans Peter Schletter.

„Für uns als Museum und für Linn ist das ein Meilenstein“, würdigt Museumsleiterin Dr. Jennifer Morscheiser die wissenschaftliche Leistung.

Eine flächendeckende Betrachtung des Ortes sei wegen der vorhandenen Bebauung nur möglich, wenn man „Puzzleteile“ zu einem Gesamtbild zusammensetze. Vor allem baubegleitende Maßnahmen und klassische Grabungen ermöglichen es, Kenntnisse zu gewinnen. „Das dauert aber und macht diese Form der Stadtarchäologie schwierig“, sagt Schletter.

Die von Jülich erarbeiteten und zusammengetragenen Ergebnisse lassen es nun zu, sich ein Bild von der Entwicklung der Stadt, den Bewohnern, der Wirtschaft und dem Sozialgefüge bis zum 17. Jahrhundert zu machen:

Eine sogenannte Motte bildete den Vorläufer der heutigen Burg, ein in einem Feuchtgebiet aufgeschütteter Hügel mit einem Holzturm umringt von einer Holzpalisade.

Die später in Stein ausgebaute Burg bildete um das Jahr 1300 den Ausgangspunkt für die Anlage der neuen, geplanten Stadt. In dieser Zeit gründeten Fürsten, Bischöfe und Grafen zahlreiche Städte, um ihre Territorien abzusichern. Eine heute in der Geschichtswissenschaft als „Territorialstadt“ bezeichnete Neugründung war eben auch Linn.

Zudem sollte die angreifbare Flanke der Burg durch den Stadtbau zusätzlich geschützt werden. Innerhalb eines einfachen Wall- und Grabensystems bauten die Linner ihre ersten Häuser aus Holz, das sie in der direkten Umgebung fällten.

Um das Jahr 1366 begann der Bau der Stadtmauer, die bis heute in großen Teilen erhalten ist. Und damit die Trinkwasserversorgung für die Bürger gesichert war,kanalisierten die Bürger einen Arm des Mühlenbaches, der mitten durch den Ort floss.

Obwohl Linn eine kleine Stadt war, spiegelt sich der Wohlstand und die soziale Struktur derGesellschaft in manchem „Müll“ wie Schuhen wider oder in Fragmenten von buntem Kirchenglas, das in der Regel von reichen Bürgern gestiftet wurde.

Die Publikation der Promotionsarbeit haben unter anderem die Arbeitsgemeinschaft Flachsmarkt und der Verein Freunde der Museen Burg Linn finanziell unterstützt. Die beiden Bände „Die Archäologie der spätmittelalterlichen Stadt Linn. Topographie, Infrastruktur und Genese“ (692Seiten, Bonn 2020) kosten zusammen 139 Euro und sind im Buchhandel erhältlich.