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Krefeld: Die neue Lust am Radfahren

Krefeld : Die neue Lust am Radfahren

In Zeiten der Coronakrise entdecken die Niederrheiner ihre Liebe zum Fahrrad aufs Neue. Nicht nur an den Wochenenden tummeln sich auf den Straßen, in den Parkanlagen und Wäldern unzählige Radler mit ihren - teils hochmodernen - Drahteseln, wie Extra-Tipp-Redaktionsleiter Jörg Zellen feststellt.

Klingelnde Telefone, Rufe von Büro zu Büro und Lachen auf dem Flur - all dies ist seit sechs Wochen verstummt. Das Coronavirus hat dem beruflichen Alltag eine unfreiwillige Auszeit verordnet. Auch das Team des Extra-Tipp ist nunmehr bereits knapp anderthalb Monate im Homeoffice. Die Arbeit läuft weiter, gibt in diesen ungewöhnlichen Zeiten Halt und sorgt für einen halbwegs geordneten Tagesablauf. Aber der Plausch mit den Kollegen bei einer Tasse Kaffee (es ist „Bürokaffee“, den ich nicht vermisse), die hektische Betriebsamkeit, ja, auch der Stress an Produktionstagen - es fehlt etwas: das Zwischenmenschliche. Dies geht uns wohl allen so.

Was vielen von uns in diesen Tagen, wo Zeit eine andere Rolle spielt, ebenfalls abgeht, ist die gewohnte Freizeitgestaltung. An den Lieblingssport (in meinem Fall Tennis), an einen Besuch im sonnigen Biergarten oder an ein gemeinsames Abendessen mit Freunden ist derzeit nicht zu denken. Corona will es so. Also was tun? Die Antwort ist so kurz wie simpel: Radfahren.

Seit Ausbruch der Pandemie steigt die Zahl derjenigen, die wieder auf den Drahtesel steigen, nahezu exponentiell an. Dies hat unterschiedliche Gründe: Wegen der Ansteckungsgefahr verzichten viele Menschen auf eine Bus- oder Bahnfahrt und treten für den Weg zur Arbeit oder zum Einkauf lieber selbst in die Pedale.

Doch auch der Spaß- und Erholungsfaktor sind nicht zu unterschätzen. „Was soll ich sonst auch machen? Es gibt derzeit ja wenige Alternativen“, sagte mir kürzlich der Vorsitzende einer Krefelder Sportinstitution augenzwinkernd. Er ist einer von vielen. Der Niederrheiner hat seine Liebe zum Fahrrad offenbar neu entdeckt. Ich nehme mich da nicht aus. Seit Wochen - das Wetter spielt ja auch mit - radeln wir nahezu täglich. Und da dies mit meinem klapprigen, nunmehr 18 Jahre alten Stahlross nicht mehr ganz so viel Freude machte, kaufte ich mir gleich mal ein neues. Ich mag es bequem, es wurde wieder ein „Hollandrad“. Die technischen Kniffe, der Komfort, die Optik - kein Vergleich zum Vorgänger. Schon schön. Erstaunlich ist auch, wie viele Menschen sich aktuell ein neues Rad wünschen - und auch zulegen. Selbst beobachtet. Der Laden meines Vertrauens war bestens besucht, die Kasse klingelte. Bevorzugtes Zahlungsmittel: die Kreditkarte.

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Zurück zur Arbeit: Den kurzen Weg vom Homeoffice in Verberg zum Rathaus, wo Oberbürgermeister Frank Meyer seit dem 16. März täglich zur „Corona-Pressekonferenz“ einlädt, erfolgt natürlich mit dem Fahrrad. Anschlusstermine und andere Verpflichtungen bleiben in diesen Tagen ja ohnehin aus, da freut man sich, über die „Ausfahrt“, die an den Niepkuhlen entlang Richtung Stadtwald geht. Manches Mal auch mit einer „Ehrenrunde“ um den „Deuß-Tempel“, von dem aus man einen herrlichen Blick über den Weiher hinaus aufs Stadtwaldhaus hat.

Krefeld, nein, der linke Niederrhein bietet so viele schöne Ecken, die es auf zwei Rädern zu erkunden gilt. Dies hab ich in dieser kurzen Zeit bereits gemerkt. Doch dazu mehr am kommenden Sonntag. Bis dahin bleiben Sie gesund und, wer weiß, vielleicht begegnet man sich irgendwo während einer Radtour...

Hier geht es zur Bilderstrecke: Radeln in Krefeld