1. Die Stadt

Bombardierung vor 75 Jahren: Die Nacht, als 1036 Krefelder den Tod fanden

Bombardierung vor 75 Jahren : Die Nacht, als 1036 Krefelder den Tod fanden

In der kommenden Nacht jährt sich der verheerende britische Bombenangriff auf Krefelds Innenstadt zum 75. Mal. Die Stadt gedenkt den Opfern mit einem Gottesdienst in der Inrather Pauluskirche.

ist es Nacht vom 21. auf den 22. Juni 1943 näherten sich mehr als 600 britische Bomber um kurz nach 1 Uhr der Krefelder Stadtmitte. Sie warfen 2100 Tonnen Brand- und Sprengbomben ab. In 75. Minuten versanken große Teile der heutigen City, von Cracau, Dießem und Norbezirk in Schutt und Asche.

In und unter den Trümmern sterben 1036 Krefelder. Mehr als 9000 werden verletzt und 72 000 obdachlos. Es ist die schwerste, aber nicht die erste und nicht die letzte Bombardierung der Stadt.

Die Briten versuchen mit den Nachtangriffen die Bevölkerung zu demoralisieren. Sie wollen Vergeltung üben für die vorherigen Angriffe der deutschen Luftwaffe auf Rotterdam, Coventry und viele andere Städte.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst am Donnerstag, 21. Juni, in der Pauluskirche am Inrath wird die Stadt dieser Nacht und ihren Opfern gedenken. "Wir haben die Pflicht zur Erinnerung, einmal aus Respekt vor den Opfern und zum anderen, um zu warnen: Nie wieder Krieg", so Oberbürgermeister Frank Meyer.

Angesichts der schwindenden Zahl der Zeitzeugen, die aus eigener Erinnerung von Kriegsfolgen berichten können, dankt Frank Meyer dem Verein für Heimatkunde für sein aktuelles Engagement anlässlich des Gedenktages: Eine sogenannte "Schadenskarte" als Reprint samt erläuterndem Text hat der Verein nun als Mahnung gegen Kriege und deren Grausamkeit veröffentlicht.

Diese "Schadenskarte" entstand nur fünf Wochen nach dem Luftangriff auf Krefeld. "Das historische Bild ist verschwunden. Das Gesicht der Stadt hat sich radikal verändert", so Dr. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchivs Krefeld.

Das Rathaus, mehrere Kirchen, die Markthalle, das Stadttheater an der Rheinstraße — zahllose stadtbildprägende Gebäude sind zerstört. Bei dem Angriff fiele auf, so der Archivleiter, dass militärische und industrielle Objekte verschont blieben.

Im Sommer 1943 werden in diesem Zeitraum auch die Innenstädte von Mülheim, Oberhausen und Essen zum Ziel. Im gesamten Reich bombardieren die Alliierten 131 Großstädte.

Die ersten Bomben im Weltkrieg fielen in Krefeld im Mai 1940 auf das Edelstahlwerk an der Oberschlesienstraße. Die ersten Todesopfer forderte ein Angriff nur wenige Tage später: am 2. Juni wurde ein Ehepaar in der Siedlung Bruchhöfe getötet.

Den ersten, umfangreicheren Luftangriff erlebten die Krefelder in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1942, bei dem 38 Menschen ums Leben kamen.

Weil die Alliierten zahlreiche Ziele im Ruhrgebiet bombardierten, flogen auch immer wieder Verbände über Krefeld hinweg. Bis zum 14. Juni 1943 gab es so 500 Fliegeralarme und Luftangriffe.

Die Folgen der Bombardierung am 22. Juni hätten für die Stadt noch viel schlimmer sein können: Ein Teil der Bomben wurde schon über dem Hülser Bruch und Kempener Feld auf weitgehend unbewohntes Gelände abgeworfen.

Aus welchem Grund ist unklar. Vielleicht haben die "Pfadfinder-Flugzeuge" die Leitfeuer für die Bomber falsch gesetzt. So schlugen nur wenige Meter nördlich des Hauptbahnhofs die letzten Bomben ein.

Bahnhof und Gleise blieben unbeschädigt, die Züge fuhren am Morgen fahrplanmäßig ein, und so kamen zahlreiche Reisende und Pendler in Krefeld an. Als sie aus dem intakten Hauptbahnhof traten, erblickten sie eine brennende Stadt.

Kurz vor dem Kriegsende, am 31. Dezember 1944, am 11. und 24. Januar 1945 wurde die Stadt nochmals bombardiert. Die Front der Alliierten rückte immer näher an Krefeld heran.

Ziel der Flugzeuge waren die Bahnanlagen. Die schweren Angriffe mit circa 1700 Tonnen Bomben kosteten nochmals 441 Menschen ihr Leben. Ende Februar, Anfang März 1945 rollte dann die Front über die Stadt. Dabei suchten viele Menschen Schutz in den Bunkeranlagen.

Nach dem Krieg begann das Aufräumen, der Schutt wurde mit Lastwagen und einer eigens eingerichteten Lorenbahn ins Hülser Bruch transportiert. Heute nennt sich die Kippe mit dem Weltkriegsschutt den Inrather Berg.