1. Die Stadt

Die Heimat ist erschienen

Kurioses aus Krefelds Geschichte : Diebe aus der Oberschicht

Die neue Ausgabe des Krefelder Heimatbuches „Die Heimat“ liegt vor. Sie besticht durch eine bunte Mischung von Aufsätzen aus Geschichte und Gesellschaft der Seidenstadt. Auch ein vollständiger Rückblick auf die Ereignisse des Jahres ist dabei.

Die Vorsitzende des Vereins für Heimatkunde, Dr. Julia Obladen-Kauder, und Schriftleiter Stefan Kronsbein präsentierten nun das rund 180 Seiten umfassende 91. Jahrgang-Heft mit 17 Aufsätzen.

 Die Beiträge umspannen die Themenbereiche Archäologie, Geschichte, Städtebau und Baugeschichte, Kirche und Religion, Kunst und Literatur sowie Technik. Zudem enthält das Jahrbuch einen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate mit Daten und Ereignissen, ferner Buchbesprechungen, die in einem Zusammenhang mit dem Niederrhein und Nordrhein-Westfalen stehen.

Das Jahrbuch „Die Heimat“ haben der Landschaftsverband Rheinland und die Stadt Krefeld finanziell unterstützt.

 In ihrem Beitrag „Seidendiebstahl in Krefeld 1751“ widmet sich die Germanistin und Historikerin Margret Grobe diesem Delikt und versucht trotz schlechter Quellenlage, das soziale Umfeld der Täterinnen zu rekonstruieren, um die Ursachen für die Straftaten einzuengen: Wegen Seidendiebstahls wurde am 10. August 1751 Johann Franzes (Ehefrau oder Tochter) Sybilla verhaftet. Sie und weitere beklagten Frauen gehörten nicht einer Randgruppe an, sondern vielmehr der mennonitischen (und protestantischen) Oberschicht. Der Seidendiebstahl scheint kein seltenes Delikt gewesen zu sein. Die Firma Von der Leyen erließ 1786 wegen umfangreicher Diebstähle eine „Fabriken-Ordnung“, in der auch auf eine ältere Verfügung von 1735 hingewiesen wird. In dieser steht: „Es wird geklagt, dass Werkleute aus Bosheit oder Nachlässigkeit abvertraute Seide und andere Materialien zunichte machen, verbringen oder abhanden kommen lassen“.

Aus welchen Beweggründen die Frauen aus der Oberschicht zu Diebinnen wurden, kann die Autorin nicht nachweisen, aber eingrenzen. Sie vermutet, dass es sich wohl um wirtschaftliche Gründe gehandelt haben könnte, da sie zwar gesellschaftlich der Oberschicht ursprünglich angehörten, aber ihre finanzielle Lage dem nicht mehr entsprach. Zumindest eine der Frauen wurde einige Monate später gegen eine Bürgschaft freigelassen, eine andere jedoch zum Gericht nach Moers gebracht. Leider liegen keine Gerichtsakten vor, weitere biografische Hinweise sind spärlich und deuten eher auf eine verarmte Existenz aller betroffenen Frauen im Alter hin.

Die beschriebenen Lebenslagen bildeten sicherlich keine Einzelschicksale, sondern vielmehr ein breites Sozialproblem in der Seidenproduktion. Dass deutet zumindest die Autorin mit ihrem abschließenden Satz an: „Das Problem des Seidendiebstahls bleibt für mindestens weitere hundert Jahre ungelöst.“

Der „Verein für Heimatkunde in Crefeld“ wurde am 22. Februar 1918 durch einige kulturell interessierte Bürger mit Sinn für die Krefelder Geschichte, Volkskunde und Kultur gegründet. Die erste Ausgabe des Krefelder Jahrbuchs „Die Heimat“ publizierte der Verein im Jahr 1921.

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Die neueste Ausgabe erscheint in einer Auflage von 1.000 Exemplaren und kann für 27,50 Euro in den Buchhandlungen erworben werden. Das Stadtarchiv Krefeld verkauft zu seinen Öffnungszeiten auch Ausgaben.