Deutsches Textilmuseum und Haus der Seidenkultur arbeiten zusammen

Einmalige Kooperation in Krefeld : Nachfrage aus ganz Europa

Das Haus der Seidenkultur holt internationale Wissenschaftler nach Krefeld. Mit einer Aktion, die in ihrer Art nur in der Seidenstadt möglich und europaweit einmalig ist.

Barbara Köstner hat ein seltenes Interessensgebiet. Sie ist Textilarchäologin. „Meine Spezialität sind Stoffe aus der Antike und dem frühen Mittelalter“, erklärt die Doktorandin von der Universität Bonn.

Derzeit arbeitet die Forscherin viel mit den Webern zusammen, die im Haus der Seidenkultur an der Luisenstraße 15 ihr Wissen aus einem langen Berufsleben der Nachwelt weitergeben.

Denn das „Pfotenwissen“ der „alten Hasen“ hilft der Wissenschaftlerin, die Webtechnik der alten Ägypter von vor 2000 Jahren besser zu verstehen.

Eigentlich arbeitet Barbara Köstner meist mit dem Mikroskop. Sie sucht Museen in England, Griechenland, Spanien und anderen Ländern auf, wo ägyptische Fundstücke aus den Jahrhunderten vor Christus lagern. Diese Bruchstücke von antiken Textilien nimmt sie genau unter die Lupe, um mehr über Material, Muster und Webtechnik herauszufinden.

Doch „probieren geht über studieren“. So kam der Gedanke auf, die uralten Stoffstücke auf heutigen Webstühlen nachzuproduzieren. Beim praktischen Tun können ihnen weitere Geheimnisse entlockt werden.

Dr. Annette Schieck, Direktorin des Deutschen Textilmuseums in Krefeld-Linn, empfahl der jungen Kollegin das Krefelder Haus der Seidenkultur. Stehen hier doch Webstühle bereit und vor allem erfahrene Praktiker, die das Weben von der Pike auf gelernt haben.

Barbara Köstner nahm die Anregung gerne auf. Und so entwickeln die Doktorandin und die Weber seit dem Sommer ein Programm zum „Nachweben“ alter Stoffe.

Im nächsten September bieten sie für Restauratoren, Wissenschaftler, Künstler und Handweber einen entsprechenden Workshop an. Und zwar in deutscher und englischer Sprache. Denn die Interessenten kommen aus aller Herren Länder. „Der erste Workshop ist bereits ausgebucht“, freut sich Barbara Köster über die überwältigende Resonanz.

Kein Wunder. Eine solche Verzahnung von Wissenschaft und praktischer Handhabung bezüglich antiker Stoffe dürfte in Europa einmalig sein. Sie ist nur möglich durch die freundliche Zusammenarbeit von Linner Textilmuseum und dem Haus der Seidenkultur im Herzen der City. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für Krefeld“, betont Dr. Annette Schieck.

Finanziert wird das Projekt durch die Kulturstiftung der Krefelder Sparkasse. „Wir sponsern es mit 24.000 Euro“, bestätigt Sparkassen-Vorstand Lothar Birnbrich.

Aber auch die Krefelder Bürger können das Projekt fördern: „Für den Workshop suchen wir noch Webstühle“, bittet Hansgeorg Hauser, Vorständler des Hauses der Seidenkultur. „Wer noch einen kompakten Tisch- oder Musterwebstuhl mit 12 oder mehr Schäften zu Hause hat, möge sich bitte melden.“

Adresse: samit@seidenkultur.de

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