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Krefeld.: Das Zoo-Drama und die Folgen

Krefeld. : Das Zoo-Drama und die Folgen

Ein nun erschienener Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins „Spiegel“ über die schrecklichen Ereignisse der Silvesternacht, das Leben des getöteten Silberrücken Massa sowie die Arbeit von Tierparks bewegt derzeit die Mitarbeiter und Freunde des Krefelder Zoos.

Durch das Feuer-Inferno der jüngsten Silvesternacht erlangte der Krefelder Zoo traurige Berühmtheit. Der schreckliche Brand im Affenhaus beherrschte nicht nur deutschlandweit die Nachrichtenlage. Die Bilder der von den Flammen zerfressenen Gorillaanlage gingen durch die Welt. Gut sieben Monate ist dies nun her. Die Menschen, die sich dem Zoo verbunden fühlen, haben das Schreckensszenario noch immer nicht richtig verarbeitet. Doch der Tierpark schaut nach vorne, plant eine Haltung von Primaten, die neue Standards in der Tierhaltung setzen will. Zukunftsmusik.

In den vergangenen Tagen wurden die unfassbaren Bilder der Silvesternacht wieder wachgerüttelt. „Alles kam wieder hoch, die Reaktionen unter Mitarbeitern waren sehr emotional, die von externen Lesern und Zookennern dagegen sehr unterschiedlich“, sagt Dr. Wolfgang Dreßen. Der Zoodirektor spielt auf einen über mehrere Seiten angelegten Artikel im „Spiegel“ an. Das Hamburger Nachrichtenmagazin gab ihm den Titel „Der Menschenaffe“. Der Text versucht, die Lebensgeschichte des in der Brandnacht getöteten Silberrücken-Gorillas Massa zu erzählen. „Hier gab und gibt es viele Mutmaßungen über Massa, vor allem natürlich vor seiner Zeit in Krefeld, deren Details wir nicht genau kennen“, sagt Dreßen. Doch auch Massa’s Krefelder Zeit bishin zu den Geschehnissen in der Brandnacht seien nicht immer richtig wiedergegeben. Ohnehin ist der Diplom-Biologe mit vielen Darstellungen des Berichtes nicht glücklich. „Natürlich steht unser Zoo nicht im Fokus des Berichtes, aber seine Beschreibung wirkt lächerlich, und man könnte vermuten, er sei eine Klitsche.“ Die charakteristischen Merkmale des Tierparks von der Uerdinger Straße, seine Zuchterfolge bei hochbedrohten Arten wie auch seine Bildungsarbeit werden heruntergespielt. „...es gibt ein Restaurant, in dem Bratwürstchen und Bier angeboten werden. In anderthalb Stunden ist man einmal durch“ - heißt es beispielsweise im „Spiegel.“ Sätze wie diese ärgern den Zoodirektor.

Gleichwohl räumt Dreßen ein, dass der Bericht die traurige Wahrheit der 1960/70er Jahre darstellt, als Menschenaffen in ihrem natürlichen Lebensraum gejagt und gefangen wurden, um gegessen oder lebend an Tierhändler verkauft zu werden. „Der Paradigmenwechsel in der Zoo-Welt fand in den späten 1970er Jahren statt, den der Bericht richtig dargestellt hat“, weiß der Biologe und Verhaltensforscher. Seitdem steigen die Standards zur Haltung von Wildtieren in Zoos ständig und bedrohte Arten werden heute nur in internationalen Zuchtprogramme gehalten, ohne Wildtiere aus dem Freiland zu entnehmen.

Und so soll mit dem geplanten, mindestens zwei Hektar großen Affenpark-Areal auch ein neues Kapitel in Bezug auf die Tierhaltung aufgeschlagen werden. Die Planungen laufen bereits, die Detailarbeit wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Nun gilt es zunächst einmal, die Ruine, die Mitarbeiter und Besucher Tag für Tag aufs Neue an das Feuer-Inferno erinnert, zu beseitigen. Die Gutachten der Gebäudesachverständigen der Versicherung stehen noch aus. „Bis zum Spätherbst sollten diese aber vorliegen und der Abriss genehmigt sein“, hofft der Zoo-Chef und ergänzt: „Dann bleibt uns dieser Anblick endlich erspart.“

Übrigens: Bereits im August soll der Zoo die 4000 Quadratmeter große Erweiterungsfläche im Bereich der Berliner Straße von der Stadt erhalten. „Die Übertragung des Grundstücks ist die Grundlage dafür, dass es im Sinne des Artenschutzes weitergehen kann“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer.