1. Die Stadt

Bert Brechts Flüchtlingsgespräche im Weltkriegs-II-Bunker

Flüchtlingsgespräche und Kriegsbriefe : Spiel im Bunker

Der Weltkriegs-Bunker am Hauptbahnhof wird Schauplatz eines Events zur Flüchtlingsproblematik.

Flüchtlinge aus Arabien und Afrika erschüttern derzeit Europa. Anlass für das Kresch-Theater, das Thema literarisch anspruchsvoll aufzuarbeiten.

Doch haben Regisseur Franz Mestre und sein Team auch die Fluchten vergangener Zeiten im Blick: die millionenfache Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, die Vertreibungen der Juden während der Nazi-Jahre, ebenso die Vertreibungen nach dem Ersten Weltkrieg vor mittlerweile 100 Jahren. „Fast jede Familie hat Flüchtlinge in der Verwandtschaft“, schätzt Mestre, der selber als Sohn eines Spaniers seine Jugend in Krefeld ohne deutschen Pass mit begrenzter Aufenthaltsgenehmigung verbrachte.

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Aus diesem erweiterten Blickwinkel heraus entstand die Idee, das Stück „Flüchtlingsgespräche“ von Bert Brecht im alten Kriegsbunker am Hauptbahnhof aufzuführen.

Mestre lud dazu die Vertreter des Stadtarchivs und der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer zur Mitarbeit ein. „Sie organisieren eine Ausstellung rund um die Zuschauerplätze herum“, erläutert Mestre das Konzept.

Dazu haben Sandra Franz, Leiterin der Villa Merländer, und Dr. Christoph Moß, stellvertretender Leiter des Stadtarchivs, eine Fülle von historischen Fotos, Briefen und Dokumenten aus ihren Beständen herausgesucht. „Wir erzählen anhand der Dokumente menschliche Geschichten“, weckt Sandra Franz das Interesse.

Im Mittelpunkt aber steht der Text von Theater-Genie Bert Brecht. Der Dramatiker hatte selber vor den Nazis fliehen müssen und schrieb im Exil seine Erfahrungen in den „Flüchtlingsgesprächen“ nieder.

Der kahle Bunker am Hauptbahnhof bildet dabei eine authentische Kulisse. Hier suchten im Krieg Tausende Krefelder Schutz vor den Bomben. Hier bangten Versprengte einer ungewissen Zukunft entgegen. Noch heute beschleicht den Besucher Beklemmung angesichts der kahlen Betonwände.

Am 10. Mai um 19 Uhr ist Premiere. 60 Plätze werden eingerichtet. Für die Ausstattung inklusive Videoprojektionen und Life-Musik sorgt Bühnenbildner Frank Andermahr.

Weitere Aufführungen liegen am 12. Mai, 16. Mai und 20. Juni. Das Kresch gibt aber auch gern Sondervorstellungen für Schulklassen. Das Stück ist für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet.

Weitere Infos und Karten unter www.kresch.de