1. Die Stadt

Bauhaus und Textilindustrie in Krefeld

Neue Forschung : Krefeld zog Bauhaus-Künstler an

Ein vernachlässigter Aspekt der Krefelder Seidenindustrie rückt erstmals in den Vordergrund: die enge Beziehung zur modernen Kunstrichtung Bauhaus.

Christiane Lange und ihre Mitstreiter schließen eine Lücke: In einem dicken Buch erhellen sie die Beziehung der Krefelder Seidenindustrie zur Künstlervereinigung „Bauhaus“.

Im 100. Jahr des in Weimar gegründeten „Bauhauses“ stehen meist dessen Leistungen im Hinblick auf die moderne Architektur im Vordergrund. Dabei waren auch die Leistungen der Bauhaus-Schüler in puncto Textildesign seit den 20er Jahren überaus gefragt. Krefeld als Textilstadt war bis in die 60er Jahre eines der Zentren ihres Wirkens.

„Rund 20 Bauhäusler haben im Lauf der Jahre in Krefeld gearbeitet“, gibt Christiane Lange Einblicke in den Forschungsbericht. Dazu zählten das Ehepaar Kadow, das an der Krefelder Werkkunstschule als Lehrer wirkte; ebenso Georg Muche, der in den 40er Jahren die Meisterklasse an der Krefelder Textilingenieurschule leitete; wichtig auch der Kunstpädagoge Johannes Itten, der von 1932 bis 1938 der Flächenkunstschule in Krefeld vorstand.

Zum Markenkern des Bauhauses gehörte die praktische Anwendbarkeit des Designs für Industriegüter. Durch modernes Design sollten Güter und Stoffe auf dem nationalen und internationalen Markt wettbewerbsfähig bleiben.

Aus diesem Gedanken heraus erklärt sich das starke Interesse der Industrie an Bauhaus-Designern. In den 20er Jahren förderte die Industrie bewusst die moderne Richtung, obwohl sie künstlerisch noch umstritten war. In den 30er Jahren schützte sie manchen Bauhaus-Künstler vor den Zugriffen der Nazis. Nach dem Krieg zogen Vertreter der englischen Besatzung durch die Seidenmanufakturen, um sich in den Besitz der hier erstellten Muster im Bauhaus-Design zu bringen.

Rundum also ein spannender Aspekt der Krefelder Geschichte, den verschiedene Wissenschaftler in dem über 400 Seiten starken Band „Bauhaus und Textilindustrie“ (Prestel-Verlag, 49 Euro) in Aufsätzen darlegen.

Der Band ist die schriftliche Niederlegung des Forschungsprojektes zum Thema; gut lesbar und mit historischen Fotos veranschaulicht.

Die Ergebnisse präsentieren die Initiatoren vom Verein „Mies in Krefeld“ (MIK) von Sonntag an auch im „Schütte-Pavillon“ im Krefelder Kaiserpark. Dort hat der Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte ein achteckiges Kunsthaus errichtet. Es dient als Ort der Ausstellung „Bauhaus und Textilindustrie“, die auch durch Dokumentarfilme bereichert wird. Das gesamte Projekt wurde von der Sparkassen-Kulturstiftung mit 200.000 Euro gefördert.