Ausstellung zum Thema Antisemitismus in der VHS Krefeld

Ausstellung, Vorträge und Schüler-Workshops : Antisemitismus - auch in Krefeld?

Die Volkshochschule eröffnet in ihrem Haus eine Ausstellung zum Thema Antisemitismus. Sie läuft vom 10. - 30. November. Umrahmt wird sie von einer Reihe themenbezogener Zusatzveranstaltungen.

Nach dem versuchten Anschlag auf eine Synagoge in Halle diskutiert Deutschland verstärkt über Antisemitismus. Gibt es solchen auch in Krefeld?

Michael Gilad kennt leider Beispiele aus eigener Erfahrung. „Wir bekommen Briefe, die mit Sieg Heil unterzeichnet sind“, klagt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Krefeld, „in anderen lagen Rasierklingen.“

Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle Villa Merländer, nimmt sprachliche Grenzüberschreitungen bei Jugendlichen wahr: „Da wird auf dem Schulhof der Ausdruck `Du Jude´als Beleidigung gebraucht oder antisemitische Witze werden als schlechte Scherze auf WhatsApp verschickt“. Zwar verbirgt sich hinter solchen Abscheulichkeiten kein geschlossen antisemitisches Weltbild, wie Sandra Franz in Gesprächen mit Schülern erleichtert feststellte. Doch warnt sie davor, solch jugendlich unbedachte Provokationen einfach durchgehen zu lassen.

Die Volkshochschule, die Villa Merländer und die jüdische Gemeinde eröffnen am kommenden Sonntag, 10. November, gemeinsam die Ausstellung „Du Jude - Antisemitismus heute - gibt es das auch in Krefeld“?

Die Ausstellung ist eine Übernahme von der Landeszentrale für politische Bildung NRW. „Wir haben sie durch einen speziellen Krefeld-Teil ergänzt“, weist VHS-Direktorin Dr. Inge Röhnelt auf den lokalen Bezug hin. Zusammengestellt hat den lokalen Teil Sandra Franz.

Die beschrifteten Stelen rufen viele aktuelle Beispiele von alltäglichem Antisemitismus ins Bewusstsein; befassen sich ebenso mit geeigneten Abwehrstrategien.

Die Ausstellung ist im VHS-Haus am Von-der-Leyen-Platz bis zum 30. November täglich von 8 - 21 Uhr zu sehen. Führungen sind vorgesehen für: 13. November (19 Uhr), 24. November (11 Uhr) und 30. November (14 Uhr). Anmeldung erforderlich. Dr. Röhnelt ermuntert auch Schulklassen und Integrationskurse, sich zu einer Führung zu melden.

Zur offiziellen Eröffnung am 10. November um 11 Uhr sprechen u.a. Bürgermeisterin Gisela Klaer, Sandra Franz und Michael Gilad.

Umrahmt wird die Ausstellung von einer Reihe Zusatzveranstaltungen:

Sandra Franz hält am Donnerstag, 14. November, um 19 Uhr im VHS-Haus einen Vortrag zur Geschichte des Antisemitismus von der Antike bis heute (Eintritt: 6 Euro).

Zudem bietet sie in der Villa Merländer Workshops für Schüler über „Battle-Raps“ und rechtspopulistische Rhetorik an. „Wir kommen mit den Workshops auch gerne in die Schulen“, ermuntert sie Lehrer, sich an sie zu wenden.

Der Präsident der Diakonie Ulrich Lilie liest am Donnerstag, 28. November, 19 Uhr im VHS-Haus aus seinem neuen Buch über die sogenannten Abgehängten in unserer Gesellschaft. Titel „Unerhört!“ (Eintritt: 6 Euro).

Den einzelnen Schmierereien und Pöbeleien steht in Krefeld eine breite Solidarbewegung gegen Antisemitismus entgegen. Michael Gilad berichtet von einer Flut solidarischer Briefe und Mails nach dem Anschlag von Halle und freut sich über die große Demonstration in Krefeld. „Ich sage Dank an alle. Dies war ein Zeichen.“

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