1. Die Stadt

Arthur Schnitzlers Reigen im Theater Krefeld-Mönchengladbach

Bunter Bühnen-Comic : Reigen in Corona-Distanz

Das Gemeinschafsttheater Krefeld-Mönchengladbach streamt eine Inszenierung von Arthur Schnitzlers Tragikomödie „Reigen“. Dabei werden die coronabedingten Abstandsregeln zur bildhaften Ausdrucksform. Wir haben uns die Premiere angeschaut:

 Arthur Schnitzlers Schauspiel „Reigen“ geriet bei seiner Uraufführung 1920 zum Skandal. Ging es doch um die triebhafte Fleischeslust, die das Personal des Stücks von einem Zufallspartner zum nächsten treibt; eben wie in einem „Reigen“.

Die Regisseurin Maja Delinic´ hat für das Theater Krefeld-Mönchengladbach aus dem Stoff eine Typenkomödie gemacht. Nicht individualisierte Menschen treten dem Zuschauer entgegen, sondern schematisierte Vertreter ihres Standes, sei es Dirne, Soldat, Stubenmädchen oder Graf.

Überdies ist die Kostümierung betont bunt, grell und ebenfalls schematisch, so dass der Eindruck eines gespielten Comics entsteht; insbesondere, da auch das Spiel der Schauspieler gewollt expressiv ausfällt. 

Das ist unterhaltsam und abwechselungsreich, amüsant und ironisch, trägt gut über die 100 Minuten Aufführungszeit; und bringt den Tenor des Stücks in zeitgemäßer Distanz auf den Punkt.

Auf der Bühne ist die Inszenierung wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht zu sehen. Das Gemeinschaftstheater hat zwei streaming-Termine angesetzt, die die Aufführung gegen 10 Euro Entgeld auf den heimischen Bildschirm projizieren (zweiter Termin: Samstag, 22. Mai, 19.30 Uhr; www.theater-kr-mg.de).

Die coronabedingten Abstandsregeln hat Regisseurin Delinic´ nicht nur eingehalten, sondern in ihre Inszenierung einbaut. So ringeln sich die Figuren auf Luke um Bühne und rudimentären Kulissen. So wird ein Kuss durch Berührung der Fußsohlen ersetzt.

Das ist metaphorisch durchaus angemessen. Ist die scheinbare Komödie doch in Wahrheit eine Tragikomödie, in der die sexuelle Erfüllung von Entäuschungen und Machtproben begleitet wird.

Bleibt zu hoffen, dass das Publikum den pfiffigen Abend bald „in echt“ im Parkett wird erleben können.