1. Die Stadt

Arbeitsmarkt durcheinander gerüttelt

Lokaler Arbeitsmarkt 2020 : „Fachkräfte bleiben gesucht“

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt in Krefeld und im Kreis Viersen durcheinander gerüttelt.

In den Vorjahren nahm die Arbeitslosigkeit in Krefeld und im Kreis Viersen von Januar bis Dezember im Wesentlichen ab.

2020 hingegen folgte die Kurve dem Verlauf der Pandemie: Bis März lag die Arbeitslosigkeit niedriger als in den beiden Vorjahren. Man durfte auf ein gutes Jahr hoffen. Dann kam Corona. Folge: Bis April stieg die Arbeitslosenkurve steil an. Als im Mai der Lockdown gelockert wurde, flachte auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit ab; erreichte aber seinen Höhepunkt erst im August. Seit August nun sinkt die Arbeitslosigkeit zum Glück kontinuierlich.

„Das liegt daran, dass sich der Arbeitsmarkt sehr robust zeigt“, erblickt Dr. Bettina-Rademacher Bensing einen Lichtblick in diesem verrückten Arbeitsjahr. Die Chefin der Krefelder Arbeitsagentur rechnet vor: „Rund 40.000 Menschen haben in diesem Jahr ihren Job verloren, aber rund 39.700 haben aus der Arbeitslosigkeit auch wieder den Weg in einen Job gefunden.“ Dynamik im Arbeitsmarkt ist also vorhanden.

Dennoch fällt die Bilanz schlecht aus: Die Arbeitslosenquote liegt mit 8,3 % in Krefeld und Kreis Viersen wesentlich höher als im Vorjahr. In Krefeld beträgt die Quote sogar 11,2 % (Vorjahr: 9,8%) , im Kreis Viersen 6 % (5,0%). Und selbst in der Stadt Kempen, die bisher aus Sicht der Arbeitsagentur stets als Insel der Seeligen galt, ist die Quote von 3,9% auf jetzt 4,9% gestiegen. Das Niveau der Arbeitslosigkeit liegt trotz aller positiver Tendenzen höher als in den Vorjahren.

Dass sie nicht noch höher anstieg, ist zum großen Teil auf das Instrument der Kurzarbeit zurückzuführen: „Die Kurzarbeit hat verhindert, dass die Arbeitslosenzahl durch die Decke ging“, stellt Gewerkschaftssekretär und Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Arbeitsagentur Klaus Churt befriedigt fest. Und Dr. Rademacher-Bensing ergänzt: „Die Arbeitslosigkeit stieg nicht, weil viele Personen von ihren Arbeitgebern freigestellt wurden, sondern weil weniger Personen eine Arbeit aufnehmen konnten.“

Klaus Churt: „Die Industrie ist relativ gut durch die Pandemie gekommen.“ Stellenverluste lagen vor allem in den Bereichen, die auch von der Pandemie am stärksten betroffen sind: Handel, Gastronomie, verarbeitendes Gewerbe.

Aber zum Ausgang des Jahres 2020 stieg auch das Stellenangebot um fast 800 Jobs wieder an. Vor allem der Handel suchte wieder Arbeitskräfte, ebenso das verarbeitende Gewerbe und das Gesundheits- und Sozialwesen.

Bettina Rademacher-Bensing: „Die Arbeitswelt hat sich pandemiebedingt wie in einem Brennglas verändert“. Sie fasst zusammen: Die Kurzarbeit liegt auf Rekordniveau, die Digitalisierung schreitet voran und Jugendliche konnten die Aufnahme ihrer dualen Ausbildung bis ins Frühjahr 2021 hinausschieben.

Über einen Punkt freut sie sich: „Die Möglichkeiten zur Weiterbildung wurden genutzt.“ 171 Arbeitnehmer haben sich mit Förderung der Arbeitsagentur in ihrem Betrieb weiter qualifiziert und fast 900 Arbeitslose haben eine Qualifizierung aufgenommen. Das ist besonders wichtig. Denn, so Klaus Churt: „Der Fachkräftemangel ist nicht erledigt.“ Fachkräfte werden auch künftig gesucht.