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Das Bild des Seidenweberhauses verändert sich: Alter Klotz mit neuem Gesicht

Das Bild des Seidenweberhauses verändert sich : Alter Klotz mit neuem Gesicht

30 Street-Art-Künstler aus aller Welt bemalen aktuell das Seidenweberhaus.

„Schon im Vorfeld haben sich die Künstler im Internet darüber ausgetauscht, unter welches Thema sie ihre Aktion stellen könnten“, blickt Frederike Wouters auf den Beginn der Woche zurück. Als sich die 30 Street-Art-Maler aus aller Welt dann am Montag vor dem Seidenweberhaus zusammenfanden, konkretisierten sich ihre Gedanken. „Sie ließen das Gebäude auf sich wirken und so kamen die Themen Zeit, Leben und Vergänglichkeit auf“, rekapituliert die künstlerische Leiterin den Werdegang der Aktion „Silk City Gallery“, die die Fassade des Seidenweberhauses nun in eine bunte Grafitti-Galerie verwandelt hat. 

Bei der Themenwahl hat sicherlich auch die Hintergrundinformation eine Rolle gespielt, die Krefelds Marketing-Leiterin Claire Neidhardt als Initiatorin den fremden Künstlern vermittelt hat: dass das Seidenweberhaus marode ist, vor dem Abriss steht und als Zeugnis des Architekturstils der 70er Jahre in der Bürgerschaft umstritten ist.

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Von Dienstag an machten sich die Künstler nach und nach ans Werk. Manche lagerten sich auf den Boden des frisch gereinigten Theaterplatzes, um die Schwelle des „Betonklotzes“ bunt zu färben. Andere bewegten sich mit riesigen Hubkrähnen in luftige Höhen, um auch die Spitze der Fassade zu erreichen.

„Vorgaben haben wir keine gemacht“, versichert Claire Neidhardt. Das war für viele der Künstler, die durchaus an Auftragsarbeiten gewöhnt sind, eine willkommene Freiheit.

Eine Künstlerin aus Mexiko wirft an eine Schmalwand zur Theaterseite eine Skizze der Krefelder Blumenstraße. „Sie malt immer schwarz-weiß“, erläutert Friederike Wouters den Stil der Kollegin, die sich offenbar von den schönen Seiten der City hat beeindrucken lassen.

Einer Malerin, die gleich nebenan arbeitet, kann es hingegen nicht bunt genug sein. Abstrakte Gebilde mit weichen Formen trägt sie mit einem breiten Pinsel auf den brauen Beton auf. 

Austausch und Vergleich war gewünscht. „Die bilden eine Gemeinschaft“, freut sich Wouters. Alle Künstler waren gemeinsam in einem Hotel untergebracht, wo die Kommunikationswege naturgemäß kurz sind. Zwischendurch wurde Musik gemacht und ein wenig gefeiert. Am Sonntag streben wieder alle ihrer jeweiligen Heimat zu.

Ob dann ein Gesamtkunstwerk entstanden ist, beurteilen die Krefelder am besten selbst. Also - einfach mal ab Montag am Theaterplatz vorbei schauen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kunst am Seidenweberhaus