Alte Schaufenster-Dekos zeigen 3D-Ansichten vom alten Krefeld

Haus der Seidenkultur eröffnet Ausstellung : 50 Kilo schwere 3D-Bilder wieder entdeckt

Alte Schaufensterdekorationen bilden Krefelder Stadtansichten in 3D ab. Das Haus der Seidenkultur zeigt die vergessenen 50-Kilo-Stücke in einer Ausstellung. Sie startet am Sonntag, 1. Dezember.

„Wir haben die Dioramen vor der Verschrottung gerettet“, blickt Achim Wahl stolz auf die mächtige Galerie von 14 gebastelten Stadtansichten in 3D-Format. Jede ist 50 Kilo schwer und 1,58 Meter hoch.

Der Techniker im Haus der Seidenkultur an der Luisenstraße 15 hat sie aus dem Lager des Museums mühsam hervorgeholt, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Museums-Chef Hansgeorg Hauser hatte die beeindruckenden Bastelwerke einst übernehmen können, als sie vom Vorbesitzer aussortiert worden waren.

Die „Dioramen“ sind eine Augenweide. Sie zeigen jeweils hinter einer Glasscheibe ein Bauwerk oder eine Straßenflucht aus Krefeld mit dem entsprechenden Publikum in der Kleidung des 19. Jahrhunderts. Es ist, als ob man in die Vergangenheit blicke. Alles dreidimensional anschaulich und „naturgetreu“.

So sieht man, wie Bürgerinnen in langen Kleidern das Rathaus betreten, das altertümliche Treiben von Kindern und Erwachsenen auf der Hochstraße oder auch das 1897 frisch erbaute Kaiser-Wilhelm-Museum.

Alle Figuren sind liebevoll gestaltet, die Bauwerke exakt nach Vorlagen nachgebildet. Die Vorlagen stammen aus dem Stadtarchiv. „Die Detailgetreue ist frappierend“, zieht Archivdirektor Dr. Olaf Richter erstaunt den Vergleich zwischen einem alten Stich und dem entsprechenden 3D-Dioram. Die benutzten Materialien sind Gips, Sperrholz, Pappe und Stoff.

Die Dioramen sind 58 Jahre alt. Ursprünglich wurden sie von der Abteilung Schaufensterdekoration des Kaufhofs am Neumarkt gebaut. Sie dienten im Jahre 1961 als Dekos in der Adventszeit. Dann wurden sie ausrangiert. 1988 sind sie noch mal in einer Ausstellung auf Burg Linn gezeigt worden, gerieten danach aber in Vergessenheit. Als sie 2015 aus ihrem Linner Lager entsorgt werden sollten, griff Hansgeorg Hauser zu.

Das Haus der Seidenkultur zeigt die Dioramen jetzt in einer Ausstellung. Sie wird am Sonntag, 1. Dezember, feierlich eröffnet. Dr. Richter spricht auf der Vernissage über Krefeld in der Biedermeierzeit.

Um 13 Uhr öffnet die Ausstellung dann für die breite Öffentlichkeit. Das Interesse ist jetzt bereits groß: „Wir haben bereits Anmeldungen von Gruppen, die unser Haus schon kennen, aber speziell diese Ausstellung sehen möchten“, freut sich Museumssprecher Dieter Brenner. Die Ausstellung bleibt bis zum 26. April bestehen. Die allgemeinen Öffnungszeiten sind: mittwochs bis freitags 15 - 18 Uhr und sonntags 13 - 17 Uhr. Gruppen können auch Wunschtermine ausmachen: besucherdienst@seidenkultur.de

Übrigens: wer die Dioramen gerne in seinen Besitz übernehmen möchte, kann sie ohne Kaufpreis bekommen. Allerdings sind sie sehr sanierungsbedürftig. Kurator Achim Wahl: „Die nächsten zehn Jahre halten sie ohne Ausbesserungen nicht mehr durch.“

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