50 Jahre Amnesty International in Krefeld

Krefelder schreiben Mahnbriefe in alle Welt : „Vergesst die Menschenrechte nicht“

Das Grundgesetz ist 70 geworden. Die Krefelder Amnesty-Gruppe feiert 50-Jähriges. Beide Jubiläen hängen inhaltlich eng zusammen. Es geht um die Menschenwürde.

„Vergesst über den Umweltschutz die Menschenrechte nicht“, mahnt Peter-Michael Friedrichs die Jugendlichen. Der pensionierte Mathematiklehrer ist selber als Schüler bereits der Amnesty- International-Gruppe beigetreten. Heute, im selben Jahr, in dem das Grundgesetz seinen 70. Geburtstag feiert, begeht die Krefelder Amnesty-Gruppe ihr 50-jähriges Jubiläum.

„Bereits die erste Aktion, an der ich mich beteiligt habe, erwies sich als Erfolg“, erinnert sich Gruppensekretärin Monika Kühn an ihre eigenen Anfänge im Jahre 1971. Damals hatte ein diktatorisch regierendes Militärregime in Griechenland einen unliebsamen politischen Gegner inhaftiert. „Wir schrieben Briefe an die Behörden und ins Gefängnis und tatsächlich wurde er frei gelassen“. Offenbar also wirkt die Anteilnahme aus dem Ausland.

Dafür spricht auch folgendes Erlebnis: „Ein entlassener Häftling aus der ehemaligen Sowjetunion berichtete uns, dass es bereits nach Eintreffen der ersten Briefe Hafterleichterungen gab.“ Heute lebt der politisch verfolgte Russe in den USA.

Besonders wichtig sind Monika Kühn die „Eilaktionen“. Sie werden kurzfristig ins Leben gerufen, wenn wieder mal ein politisch Verfolgter in irgendeinem Gefängnis auf der Welt „verschwindet“. Dann legen die rund 15 Krefelder Amnesty-Mitglieder gleich los. „Am besten sind handschriftliche Briefe“, lehrt Frau Kühn die Erfahrung, „denn es kommt beim Protest auf Individualität an.“ Aber auch E-Mails werden heute verstärkt eingesetzt.

Übrigens kann sich jeder an solchen Eilaktionen beteiligen. In Krefeld folgen rund 50 Bürger regelmäßig den Aufrufen der Amnesty-Gruppe. Monika Kühn hat dazu eigens einen Newsletter eingerichtet (monika.kuehn43@googlemail.com)

Peter-Michael Friedrichs engagiert sich schwerpunktmäßig in der Untergruppe zur Bildungsarbeit. „In den 90er Jahren arbeitete ich an einem Entwurf zur Bildungsarbeit in der Schule mit“, berichtet der Pädagoge, der auch ein Buch zum Thema Menschenrechtserziehung veröffentlicht hat. Der Entwurf mündete 1997 in einen Erlass des NRW-Schulministeriums. Seitdem stehen Menschenrechte in allen Schulen auf dem Lehrplan.

Auch in der Öffentlichkeit wirbt die Amnesty-Gruppe für ihre Anliegen. Immer am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, errichtet sie einen Info-Stand in der Mediothek. Am 13. Juni eröffnet um 18 Uhr in der VHS die Ausstellung „50 Jahre Krefelder Amnesty-Gruppe“.

Natürlich sucht die Gruppe weitere Mitglieder. Auch junge Leute dürfen sich angesprochen fühlen. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen mittwochs um 19.30 Uhr in der Friedenskirche. Infos: Tel.: 02151/39 55 72.

Ein prominentes Mitglied seit Jugendzeiten ist Christian Ehring, gebürtiger Krefelder und im Fernsehen bekannt als Satiriker („Extra 3“). Immer wieder engagiert sich der Schauspieler für die gute Sache. Am Dienstag, 28. Mai, um 20 Uhr tritt Ehring ohne Gage in der Kulturfabrik auf. Der Erlös des Abends kommt der Amnesty-Arbeit zugute. (Karten zu 20 Euro im Mediencenter Rheinstraße 76).

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