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Von Sachsen ging die Reformation aus
Dresden im Kreis der Luther-Städte

Dresden im Kreis der Luther-Städte
Die Dresdner Frauenkirche gilt als Symbol des deutschen Protestantismus. Die berühmte Luther-Statue stammt vom Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel, der auch das große Luther-Denkmal in Worms geschaffen hat. FOTO: Christoph Münch
Dresdner Frauenkirche Symbol des Protestantismus in Deutschland - Deutschland feiert im Jahre 2017 den 500. Jahrestag der Reformation.

Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther (1483–1546) im damals zu Sachsen gehörenden Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Auch Dresden feiert, um die enge Verbindung zwischen der Sächsische Landeshauptstadt Dresden und Luther zu verdeutlichen.
Den größten Teil seines Lebens verbrachte der Reformator in sächsischen Landen: Viele der Orte, in denen er lebte und wirkte, gehörten damals zum Kurfürstentum Sachsen. Und so besuchte Martin Luther auch die Landeshauptstadt Dresden in den Jahren 1516 und 1517. In der damaligen Schlosskapelle predigte er vor dem Sächsischen Hof. Sachsen war schließlich das erste Land, das in zwei Schritten 1537 und 1539 die Reformation einführte. Der erste vollständige protestantische Gottesdienst in Dresden fand am 6. Juli 1539 unter Beteiligung des Dresdner Kreuzchors in der Kreuzkirche statt. Der seit 1519 mit Luther bekannte Johannes Cellarius hielt den evangelischen Gottesdienst in deutscher Sprache ab und reichte das Abendmahl erstmals in Dresden in beiderlei Gestalt. Damit wurde die Kreuzkirche als evangelische Hauptkirche der Stadt eingeweiht und unter Anwesenheit von Kurfürst Johann Friedrich und Herzog Heinrich die Reformation offiziell im Herzogtum Sachsen eingeführt.
Die Dresdner Kreuzkirche war eine der beiden Hauptwirkungsstätten von Heinrich Schütz (1585- 1672), der als "Vater der protestantischen Kirchenmusik" gilt. Sein Wohnhaus am Dresdner Neumarkt ist nach Kriegszerstörung als Seniorenresidenz wieder aufgebaut worden. Die andere war die 1551 bis 1553 errichtete Dresdner Schlosskapelle.
Als August der Starke 1697 katholisch wurde, bauten die evangelisch lutherischen Bürger die Frauenkirche als ein in Stein gehauenes Symbol der Reformation. Bewusst erinnerte die "Steinerne Glocke" genannte Kuppel an den Petersdom in Rom, dem Zentrum der katholischen Christenheit. Mit der Kuppel als Symbol des Himmelsrunds stellten die Protestanten erstmals die Universalität der evangelischen Kirche architektonisch dar. Das erste Orgelkonzert in der Frauenkirche gab am 18. Dezember 1736 Johann Sebastian Bach (1685–1750), der als bedeutendster Schöpfer protestantischer Kirchenmusik gilt.
Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist die Frauenkirche zwischen 1994 und 2005 wieder aufgebaut worden. Heute finden dort neben den werktäglichen Andachten um 12 und 18 Uhr und Sonntagsgottesdiensten um 11 Uhr auch einmal monatlich anglikanische Gottesdienste in englischer Sprache statt. Der Gegensatz der Konfessionen führte in Dresden nicht zum Streit, sondern spornte beide Seiten an, sich im Bereich der Architektur oder der Kirchenmusik zu übertreffen. In Sichtweite der Frauenkirche erhebt sich die bis 1754 als katholische Hofkirche erbaute katholische Kathedrale.

TIPPS

-- Im Historischen Grünen Gewölbe, eine der bedeutendsten Expositionen im Dresdner Residenzschloss, sind der Mundbecher und Siegelring Martin Luthers ausgestellt. www.skd.museum
-- Martin Luthers eigenhändige Niederschrift seiner ersten Vorlesung als Theologieprofessor in Wittenberg, der "Commentarius in psalmos Davidis" (1513–1516) wird – wie auch ein Teil von Bachs h-Moll-Messe – in der Schatzkammer des Buchmuseums der Sächsischen Landes- und Hochschulbibliothek (SLUB) gezeigt. www.slub-dresden.de/ueber-uns/buchmuseumveranstaltungen/virtuelle-schatzkammer
-- Der Dresdner Kreuzchor, der 2016 sein 800-jähriges Bestehen feierte, gilt gemeinsam mit den Leipziger Thomanern als bedeutendste und traditionsreichste protestantische Musikinstitution. Regelmäßig gestaltet er die Gottesdienste (sonntags 9.30 Uhr) und Vespern (samstags 17 Uhr). In Dresden und auch auf Tourneen gibt er zudem zahlreiche Konzerte. www.kreuzchor.de
-- Die Dresdner Frauenkirche hat sich seit ihrer Wiedereröffnung zum bedeutenden Dresdner Musikzentrum entwickelt. Die jährlich ca. 100 Konzerte (in der Regel samstags 20 Uhr, alle 14 Tage sonntags 15 Uhr sowie an weiteren Terminen) werden von Gastkünstlern aber auch von den eigenen Künstlern wie dem Chor und Kammerchor gestaltet. www.frauenkirche-dresden.de
-- Mitten im studentisch geprägten hippen Gründerzeitviertel Dresden Neustadt trägt die Martin- Luther-Kirche den Namen des Reformators. Eine Statue zeigt ihn am Gemeindehaus gegenüber. www.mmlk.de
-- Berühmtester Maler der Reformation war Lucas Cranach der Ältere (1472–1555). Einige seiner Meisterwerke wie der "Dresdner Flügelaltar" mit dem "Martyrium der heiligen Katharina" (1506) und das "Bildnispaar Heinrich der Fromme und Katharina von Mecklenburg" (1514) sind heute in der Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen. Ebenfalls Teil der Sammlung sind Werke seines Sohnes Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586), darunter "Herkules vertreibt die Pygmäen" und "Der schlafende Herkules und die Pygmäen" (1551). www.skd.museum
-- Auf Schloss Hartenfels in Torgau an der Elbe kann man die erste protestantische Kirche überhaupt besichtigen. In der nahegelegenen Stadtkirche St. Marien liegt Luthers Frau, Katharina von Bora, begraben. Torgau selbst hat seinen Renaissance-Charakter seit Luthers Zeiten bisn heute bewahrt. www.tic-torgau.de