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Heimatkundler legt Buch voller Geschichten vor
Neue Hülser Storys

Hülser Storys
Legt ein neues Buch über Hüls vor: Autor Dr. Hans-Martin Große-Oetringhaus. Es ist prall gefüllt mit Geschichten aus der Historie und Betrachtungen über Natur und Örtlichkeiten. FOTO: Müller
Hüls. Das beschauliche Hüls birgt teils dramatische Geschichten. Neubürger Hans-Martin Große-Oetringhaus hat sich auf Spurensuche begeben und die Geschichten aufgeschrieben. Sein Heimatbuch der anderen Art ist jetzt erhältlich. Von Ernst Müller

 An jedem Nikolaustag steigt der Heilige Mann vom Turm der St. Cyriakus-Kirche. Tausende Hülser verfolgen jedes Jahr das Schauspiel. Aber wie ist die Tradition entstanden? "Sie geht auf die französische Besatzung im 19. Jahrhundert zurück", erklärt Dr. Hans-Martin Große-Oetringhaus.


Der Schriftsteller ist vor einigen Jahren nach Hüls gezogen und beschäftigt sich seitdem intensiv mit Kultur und Geschichte seiner neuen Heimat. Nachdem er bereits sein Buch "Hüls lieben lernen" vorgelegt hatte, prall gefüllt mit Geschichten und Betrachtungen, hat er nun einen zweiten Band fertig gestellt.


Das neue Buch heißt "Auf Spurensuche in Hüls" und ist im örtlichen Buchhandel erhältlich (Iatros-Verlag, 228 Seiten, 19 Euro).


Darin offenbaren sich Begebenheiten aus der Geschichte und Beobachtungen zur Gegenwart, die viele Leser verblüffen werden.
 So ergab sich die schöne Tradition, dass der Nikolaus jedes Jahr vom Kirchturm steigt, aus einer Schikane heraus: "Die Franzosen zur napoleonischen Zeit hatten die Kirchtüren geschlossen", erläutert der Autor.

Auch den Hülser Kalender hatten die Franzosen beeinflusst: Weil in Frankreich eine neue Zeitrechnung eingeführt worden war, nach der das Jahr im September begann, ist auch das Hülser Geburtsregister für rund zwei Jahre nach der "neuen" Zeitrechnung geführt worden.


In dem Gartengelände im Herzen von Hüls, das derzeit wegen einer möglichen Bebauung in der Diskussion ist, steht ein alter Turm. "Darin bewahrte die Bürgerwehr zur Zeit der Revolution im 19. Jahrhundert ihr Pulver auf". Der Turm ist also ein Stück Revolutionsgeschichte mitten in Hüls.


Dr. Große-Oetringhaus stöberte für seine Recherchen auch im Krefelder Stadtarchiv und sogar im Landesarchiv. Dort stieß er auf besonders traurige Geschichten: In der Nazi-Zeit wurde am Fuß des Kapuzinerbergs ein Kriegsgefangener gehängt, weil eine Hülser Magd ein Kind von ihm erwartete. Die junge Frau wurde in ein Konzentrationslager eingewiesen, kam später wieder frei. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen Berichte über Hülser Bürger, die als sogenannte "Halbzigeuner" vor die "Wahl" gestellt wurden, sich sterilisieren zu lassen oder ins Konzentrationslager verschleppt zu werden.


Es sind aber auch lustige Begebenheiten im Buch versammelt sowie Betrachtungen über die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur. Zur besseren Anschaulichkeit ist das Buch mit schönen Fotos versehen.


Das Ziel des Buches beschreibt der Autor so: "Die Alt-Hülser werden neue Perspektiven entdecken, die Neu-Hülser erfahren, was an Hüls liebenswert ist."