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Die Kirche bleibt „im Dorf“

Die Kirche bleibt „im Dorf“
FOTO: Rottmann
Kempen / Tönisvorst. Schon seit Jahren ist die katholische Kirche im Umbruch. Die Gemeinschaft der Gemeinden Kempen-Tönisvorst legt jetzt mehr Verantwortung in die Hände von Ehrenamtlern.

Priestermangel, Kirchen‧austritte und weniger Besucher in den Gottesdiensten – das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite stehen zahlreiche Menschen, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren und eine starke Basis bilden. Schon seit Jahren ist die Seelsorge nicht mehr allein den Priestern überlassen. Katholische Laien halten Wortgottesdienste ab, übernehmen Beerdigungen und arbeiten als Notfallseelsorger. Auch in anderen Bereichen wie der Jugendarbeit, Kommunion- und Firmvorbereitung, Senioren- und Krankenbesuchen, der Vorbereitung von Feierlichkeiten, in der Kirchenmusik und in den Gemeindegremien bilden ehrenamtliche Mitarbeiter die Basis der Kirche.

Dennoch: die Leitung einer Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) lag bisher immer in den Händen eines einzelnen Priesters. In der GdG Kempen-Tönisvorst soll sich das jetzt ändern. Vor Ort – in jeder ehemals eigenständigen Gemeinde – sollen Leitungsteams gebildet werden, zusammengesetzt aus Mitgliedern des jeweiligen Pfarreirats und Kirchenvorstandes, der Pfarrei-Sekretärin und einem Seelsorger (Gemeindereferent oder -referentin). Gemeinsam sollen diese Teams Verantwortung für ihre jeweilige Gemeinde übernehmen. "Das ist im gesamten Bistum Aachen etwas neues", betont Gemeindereferentin Regina Gorgs. "Es gibt ähnliche Bestrebungen in anderen GdGs, aber wir betreten alle komplettes Neuland."

Hintergrund ist, dass Pfarrer Pero Stanusic zum Jahresende die Gemeinde St. Hubertus verlässt und der Tönisvorster Pastor Ludwig Kamm im Sommer 2017 in den Ruhestand geht. Propst Dr. Thomas Eicker wird die Leitungsaufgaben nicht alleine übernehmen können. Zwar steht der GdG nach dem innerkirchlichen Strukturplan ein weiterer hauptamtlicher Priester zu. Doch auch dieser soll bei den Leitungsaufgaben entlastet werden.

Ähnliches gilt für die Gottesdienste: "Jede Gemeinde ein Pfarrer" – das funktioniert aufgrund der Personallage nicht mehr. Pastorale Aufgaben übernehmen künftig die Priester "auf Augenhöhe" mit den Gemeindereferenten, die herkömmliche Hierarchie spielt dann keine große Rolle mehr.

Das Bistum hat für diese Entwicklung grünes Licht gegeben. Der neue Bischof Helmut Dieser ist ohnehin ein Freund der "Kirche von unten": Im vergangenen Jahr gab er gemeinsam mit anderen deutschen Bischöfen ein Impulspapier unter dem Titel "Gemeinsam Kirche sein" heraus. Darin werden die Gemeinden aufgefordert, neue Modelle der Beteiligung zu entwickeln und Leitungsdienste von nicht geweihten Frauen und Männern zu fördern.

Die GdG Kempen – Tönisvorst ist die größte im Bistum Aachen. Sie besteht aus den Pfarreien St. Cornelius (St. Tönis, 10.143 Gemeindemitglieder), St. Godehard (Vorst, 3628), St. Hubertus (St. Hubert, 4329) und St. Mariä Geburt (Kempen, 12.088 Gemeindemitglieder in den ehemals eigenständigen Gemeinden St. Marien, St. Josef und Christ König).

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