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Wie Quartiersentwickler City-Projekte anstößt
Auf gute Nachbarschaft

Wohnen im Quartier
Stadt im Blick: Quartiersentwickler Sandy Schilling zeigt die Brennpunkte seines Einsatzes anhand einer 3D-Stadtkarte. Sie hängt in seiner Quartiersbegegnungsstätte, einem ehemals leerstehenden Ladenlokal im Hansa-Centrum. Dort hält er jeden Dienstag von 14 - 16 Uhr eine Sprechstunde für alle Bürger der Südstadt ab. Noch bis Herbst. Dann endet sein Projekt FOTO: Müller
Krefeld . Nach drei Jahren nimmt Quartiersentwickler Sandy Schilling Abschied. Sein Wirken in der City zeigt Früchte. Von Ernst Müller

Wenn am kommenden Mittwoch, 15. August, im Hansa-Centrum der große Aktionstag "Wir im Quartier" steigt, bereitet sich Sandy Schilling so langsam auf seinen Abschied vor.

Drei Jahre hat der Quartierentwickler innerhalb der vier Wälle Projekte angestoßen, die zu mehr Vernetzung der Anwohner führen sollen. Nun läuft die Initiative "Altersgerechte Quartiere" des Landes NRW aus. Der Aktionstag im Hansa-Centrum ist einer der letzten Anstöße Schillings.

Alle Anwohner der südlichen Innenstadt, ob Senior oder Familien mit Kindern, sind an diesem Mittwoch von 10 bis 15 Uhr eingeladen. In den leerstehenden Ladenlokalen des Hansa-Centrums sorgen Stadtsportbund, Sportvereine, AOK und andere Partner für ein buntes Mitmachprogramm: Vom Geschicklichkeitstraining über Vorlesegeschichten bis zum gemeinsamen Frühstück ist alles drin. Und alles ist kostenlos.

Ein Begegnungstag, wie er für Schillings Vor-Ort-Arbeit typisch ist. "Als ich 2015 die Arbeit im Quartier aufnahm, habe ich erst einmal die Senioren in ihren Einrichtungen besucht und nach ihren Bedürfnissen befragt", erklärt der studierte Sozialwissenschaftler.

Die Senioren bildeten anfangs einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Denn das Land NRW, das das Quartiersprogramm auflegte, wollte die Städte auf die Alterung der Gesellschaft vorbereiten. Inzwischen weiß Schilling: "Ein gutes Quartierprojekt hat keine Zielgruppe." Denn alle Anwohnergruppen beziehen sich aufeinander.

So vermissen nicht wenige Senioren in der City Supermärkte für Lebensmittel. Dafür gibt es im südlichen Viertel viele kleinere Lebensmittelläden, die von türkischen Inhabern geführt werden. Senioren kaufen gern dort und die Inhaber können nur profitieren, wenn sie die spezifischen Bedürfnisse auch dieser Käufergruppe berücksichtigen.

Wieder andere Senioren beklagten, dass auf dem Weg zum Neumarkt keine Sitzbänke zu finden waren. Eine Info-Veranstaltung mit der Stadtverwaltung führte zur Aufstellung einer Bank zwischen Seniorenresidenz und Neumarkt. Auch die aktive Nutzung des öffentlichen Raumes, wie dem Grünstreifen auf dem Ostwall, mit spritzigen Begegnungsfesten wirkt sowohl der Vereinzelung in der Gesellschaft wie auch der Verödung des Quartiers entgegen.

"Es war meine Aufgabe, solche Initiativen anzustoßen", blickt Schilling auf seine Arbeit zurück. Nun sollen die einzelnen Projekte von engagierten Teilnehmern vor Ort weitergeführt werden. Dazu gehört beispielsweise der beliebte Spielenachmittag, der von der Caritas betrieben wird.

Sandy Schilling ist Mitglied in wissenschaftlichen Räten, die sich statistisch mit den Fragen der Stadtentwicklung befassen. In Krefeld konnte er seine wissenschaftliche Kompetenz praktisch einsetzen.


Wie wichtig die Stadt diese Vor-Ort-Arbeit nimmt, ist daran zu erkennen, dass sie auf eigene Kosten die Stelle eines Quartiermanagers für das gesamte Stadtgebiet eingerichtet hat. Voraussichtlich Ende des Jahres soll die Stelle besetzt werden. Denn auch unsere Stadt wird künftig durch eine wandelnde Gesellschaft geprägt, die zum einen älter und zum anderen sozial immer differenzierter wird.