| 16.13 Uhr

Begegnungsstätte Café Sarah
Vom Analphabeten bis zum Zahnarzt

Begegnungsstätte Café Sarah: Vom Analphabeten bis zum Zahnarzt
Fröhliche Runde: Die ehrenamtlichen Helfer des Cafés Sarah stoßen mit Besuchern auf die gesicherte Weiterexistenz der Begegnungseinrichtung an. FOTO: privat
Krefeld . Im Café Sarah treffen sich regelmäßig Krefelder und Asylsuchende unter dem Dach der Kirche. Von Ernst Müller

Ute Klinkhammer kennt fremde Kulturen aus eigenem Erleben: "Ich habe drei Jahre in Uganda gelebt", erzählt die ehemalige Lehrerin. Ebenso kennt sie das Gefühl der Flucht: "Als sich Idi Amin an die Macht putschte, flohen mein Mann und ich nach Hause". Das war 1971. Ihr Mann arbeitete als Ingenieur in der Hauptstadt Kampala, sie selbst unterrichtete Diplomatenkinder an der deutschen Schule.


Heute organisiert Ute Klinkhammer zusammen mit ca. zehn weiteren Aktiven das "Café Sarah". Es wurde auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise gegründet und führt Asylbewerber und Einheimische zusammen. Ursprünglich war die Begegnungsstätte der Bürgerinitiative Rund um St. Josef angegliedert, neuerdings steht es unter dem Patronat des Flüchtlingsrates. Die Räume hat die katholische Kirche im Bischof-Sträter-Haus an der Corneliusstraße 22 zur Verfügung gestellt.


Jeden Mittwoch treffen sich hier um 19 Uhr rund 100 Besucher. Das Publikum ist bunt gemischt: "Vom Analphabeten bis zum Zahnarzt ist alles dabei", lacht Ute Klinkhammer. "Wir reden miteinander, spielen und tanzen, stricken und handarbeiten", berichtet sie vom geselligen Beisammensein. Gemüse und Obst liefert die Krefelder Tafel. Am heutigen Nikolaustag steht eine Feier auf dem Programm.

Aber ebenso Probleme sind Thema: "Wir helfen den Asylsuchenden auch bei der Korrespondenz mit den Ämtern". Das ist selbst für Deutsche nicht immer leicht. "Ich habe auch schon Wohnungen vermittelt", berichtet Frau Klinkhammer, "bei einem Deutschen sagen die Vermieter nicht so ganz schnell Nein".


 Man unterstützt sich gegenseitig. "Wir freuen uns über weitere Teilnehmer", ermuntert Mitorganisatorin Beate Reger zum Mitmachen. Einen "Chef" kennt das Organisationsteam nicht. "Wir leiten alles gemeinsam und demokratisch", unterstreicht Frau Reger. Manche Besucher kommen, um eine Tasse Kaffee zu trinken und ein wenig zu plaudern. Andere beteiligen sich an der Organisation. "Wir Ehrenamtler treffen uns alle vier Wochen zum Austausch". Darüber sind auch schon Freundschaften entstanden.


Übrigens: "Sarah" lehnt sich an den Namen eines Flüchtlingsmädchens an, das zu den ersten Besuchern zählte.