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Streifendienst an der Nordseeküste

Auf Streife in Renesse
Auf Streife in Renesse FOTO: privat
Krefeld/Renesse. Seit nunmehr 21 Jahren arbeiten die Polizei Krefeld und die Kollegen im niederländischen Badeort Renesse eng zusammen. So auch an diesem Pfingstwochenende.
 
Von Jörg Zellen

Claudia Jacobsen liebt die Niederlande und die dortige Nordseeküste. Wenige Kilometer entfernt vom Badeort Renesse steht ihr Caravan. Diesen bekommt sie an diesem langen Pfingstwochenende allerdings nicht zu Gesicht. Die Polizeihauptkommissarin aus Krefeld ist im Dienst - und zwar nicht in ihrer Heimstadt, sondern in Holland.

Claudia Jacobsen koordiniert die gemeinsamen Einsätze mit der Polizeibehörde Renesse. Und sie weiß: "Grade an Pfingsten reist der halbe Niederrhein an die Küste. Da hilft es, wenn deutschsprachige Polizisten vor Ort sind und unterstützend eingreifen und helfen können."

Aus einer Freundschaft heraus entstand vor nunmehr 21 Jahren der Kontakt zwischen der Polizei Krefeld und den Ordnungshütern aus den Niederlanden. "Anfangs gingen die Kollegen noch in zivil auf Streife. Heute sind wir uniformiert und bewaffnet, haben im Prinzip die gleichen Rechte wie die Niederländer", berichtet Claudia Jacobsen und gibt sogleich Einblick in den Dienst jenseits der Grenze: "Das Thema Alkohol wird immer dringlicher. Viele Besucher sind bereits angetrunken, wenn sie das Zentrum von Renesse erreichen."

Nicht zuletzt deswegen haben die Behörden für den "Party-Badeort" auch ein Alkohol- sowie Glas- und Dosenverbot auf der Straße und am Strand verhängt. "Selbst in den Kneipen werden rund um Pfingsten ausschließlich Plastikbecher verwendet", weiß Claudia Jacobsen, die bereits seit Donnerstag mit ihrem Krefelder Kollegen vor Ort ist. Die Ordnungshüter weisen die Passanten zunächst freundlich auf die Verbote hin. Uneinsichtige Zeitgenossen müssen tief in die Tasche greifen. 140 Euro müssen "Alkoholsünder" berappen.

Ähnlich teuer ist das Übernachten im Pkw. "Erstaunlicherweise reisen viele Niederrheiner ans Meer ohne im Vorfeld eine Unterkunft gebucht zu haben", berichtet die Polizeihauptkommissarin. Und da die Hotels und Campingplätze oft ausgebucht sind, flüchten sich immer mehr ins Auto. Ebenfalls 140 Euro pro Fahrzeuginsasse sind in solchen Situationen fällig.

Zunehmend sei auch die Zahl der "Wildpinkler". "Manche sind da völlig ungeniert", sagt Claudia Jacobsen und verweist auf Abende, wo "sich Betrunkene direkt neben einen in einen Hauseingang stellten". Die Notdurft könnte teuer werden. Strafe: 90 Euro.

Die Kooperation zwischen den Polizisten aus Krefeld und Renesse hat viele Vorteile: "In Fällen mit deutscher Beteiligung erleichtert unsere Anwesenheit den Prozess. Wir können alles in der Muttersprache aufnehmen und bearbeiten. Es gibt keinen zeitlichen Verzug. Es ist also quasi eine Serviceleistung für die Touristen aus Deutschland", so Jacobsen.

Am Dienstag geht es für die beiden Krefelder Ordnungshüter wieder zurück an den Niederrhein. "An Fronleichnam sowie sechs Wochenenden in den Sommerferien sind wir dann aber wieder in Renesse."

In der Zwischenzeit hat Claudia Jacobsen sicherlich Zeit, um ihren Caravan zu besuchen...