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Krefelder Autor
Strauß verblüffender Geschichten

Krefelder Autor: Strauß verblüffender Geschichten
Frisch gedruckt: Mit Freude zeigt Autor Pierre Sommet sein neues Buch vor. Es wurde vom Illustrator Cornelius Rinne mit farbenfrohen Zeichnungen versehen. FOTO: Müller
Krefeld . Der bekannte Krefelder Autor Pierre Sommet legt eine Sammlung historischer Shortstorys vor. Von Ernst Müller

Vor über 40 Jahren traf Pierre Sommet aus Frankreich kommend mit dem Zug in Köln ein: "Mein erster Eindruck von Deutschland war der atemberaubend gigantische Kölner Dom." Der Fremde war baff.


Der Eindruck war so nachhaltig, dass der heutige Autor die damalige Erstbegegnung mit deutscher Kultur zum Eingangskapitel seines neuen Buches erhoben hat. Und knüpft daran gleich Erinnerungen an seine damalige Mühe, die deutsche Sprache zu erlernen. Wie versteht denn ein Fremder die Bestellung an der Pommes-Bude: "Bratwurst mit ohne alles"?


Sommet fuhr damals weiter nach Krefeld - und blieb bis zum heutigen Tage da. Drei Jahrzehnte leitete er die Sprachenabteilung der Krefelder Volkshochschule, schrieb mehrere Lehrbücher über die französische Sprache und zuletzt, nach seiner Pensionierung, sehr erfolgreiche "Wortgeschichten" über die französischen Ursprünge deutscher Worte. Viele Krefelder amüsierten sich bei seinen zahlreichen Lesungen, die er mit schalkhafter Selbstironie vorzutragen versteht.


Nun hat der quirlige Krefelder mit französischen Wurzeln sein neues Buch vorgelegt. Es heißt "Der Präsident hat keine Zeit" und ist anders geartet als die bisherigen Wortgeschichten. Hatten diese bei aller humorigen Fabulierlust einen wissenschaftlichen Anstrich, so überrascht der Autor seine Leser jetzt mit einer Sammlung von Kurzgeschichten.


"Manche sind amüsant, manche dramatisch", beschreibt Sommet die bunte Vielfalt.
Zu den dramatischen gehört die Titelgeschichte, in der Frankreichs Präsident 1899 durch sein Zögern die Verurteilung eines Unschuldigen in Kauf nimmt und schließlich in den Armen seiner Geliebten stirbt. Zu den amüsanten dürfte die Rettung der berühmten französischen Champagner-Produktion durch einen deutschen Investor gehören, der den Champagner im 19. Jahrhundert in Deutschland einführte.


"Die meisten Geschichten beruhen auf wahren Begebenheiten", unterstreicht der Autor. Somit erfährt der Leser manch verblüffendes Histörchen aus der europäischen Geschichte; vielfach die turbulenten deutsch-französischen Beziehungen betreffend. Für Lokalkolorit sorgt der satirisch geschilderte Besuch eines Fußballspiels in Hüls.


Den Geschichten hat der Illustrator Cornelius Rinne farbige Zeichnungen hinzugefügt. Nicht zuletzt dadurch gewinnt der Band, neben dem hochwertigen Papier und dem gebundenen Hardcover, eine überaus ansprechende Aufmachung. Somit eignet er sich auch zum Verschenken.


Das Buch ist im Magenta-Verlag erschienen, zählt 160 Seiten und kostet 18 Euro. Es liegt in den Krefelder und Kempener Buchhandlungen aus.


Die ersten Termine für Lesungen stehen auch schon fest: Am 16. November, 19 Uhr, in der Krefelder VHS mit Liedbegleitung von Walter Weitz; am 28. November in der Krefelder Thalia-Buchhandlung, um 19.30 Uhr.